Guojing: „Allein“

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Dieses besondere Kinderbuch der chinesischen Atorin Guojing beschreibt das Thema „Einsamkeit“.

1610_alleinIn den 1980er Jahren wuchs Guojing in der nordchinesischen Provinz Shanxi ohne Geschwister auf. Beide Eltern mussten arbeiten, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Tagsüber passte die Großmutter auf das kleine Mädchen auf. Es kam jedoch häufig vor, dass die Kleine mutterseelenallein zu Hause war und sich sehr einsam fühlte.

Eines Tages – da ist das kleine Mädchen etwa sechs Jahre alt – setzt der Vater sie in einen Bus, mit dem sie zur Großmutter fahren soll. Auf der Fahrt schläft das Mädchen ein. Als es wieder aufwacht, ist der Bus leer. Voller Panik stürzt es aus dem Bus…..

Dieses Kindheitstrauma verarbeitet Guojing in ihrem Kinderbuch, das völlig ohne Text auskommt und nur von Schwarzweiß-Zeichnungen lebt. Eine so eindringliche wie bedrückende Bilderwelt zieht den Betrachter in ihren Bann. Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erscheint die Welt grau und abweisend. Einzig ein Hirsch, der einem Spielzeughirsch in ihrem Kinderzimmer entspringt, wendet sich ihr zu und kümmert sich liebevoll um das einsame Kind.

Dieses Kinderbuch ist keine leichte Kost, auch wenn es viele humorvolle Bilder enthält und am Ende gut ausgeht. Die beherrschenden Grautöne zeigen intensiv die Gefühlswelt eines einsamen Kindes, aber auch die grauen Städte Chinas in dieser Zeit. Sensible Kinder können hier Ängste entwickeln.

Daher eignet sich dieses Buch erst für Kinder ab fünf Jahren. Es regt zum Nachdenken an und gibt Rätsel auf, die beim gemeinsamen Betrachten mit Eltern oder Großeltern für viel Gesprächsstoff sorgen werden.

Für kleine und große Menschen, die gerne einmal ein ganz ausgefallenes Kinderbuch mit eigenwilliger Bildersprache „erleben“ wollen, ist dieses Buch, das zum Klassiker werden könnte, sehr empfehlenswert.

Das Buch „Allein“ ist im Verlag Jacoby & Stuart erschienen und kostet 19,95 Euro.

Barbara Raudszus

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