Julia Zange: „Realitätsgewitter“

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Marla ist zum Studium von ihrem kleinen Dorf nach Berlin gezogen. Dort versucht sie, sich irgendwie über Wasser zu halten. Die Einsamkeit, die sie in eine unendliche Traurigkeit gestürzt hat, dringt förmlich durch die Buchseiten in die Seele des Lesers. Über das Internet sucht sie Kontakte, trifft sich mit Männern und Jungs, die sich ebenso ziellos durch die Stadt treiben lassen wie sie selbst. Sex, Drogen und Alkohol betäuben kurzfristig das Gefühl der Leere, die die einsamen jungen Menschen umgibt. Alle sind sie bindungsunfähig, obwohl sie große Sehnsucht nach „Irgendetwas“ verspüren. Nach Liebe, nach Halt, nach einem Lebensinhalt, einem erfüllenden Studienfach und Beruf.

Als Marla die Großeltern un ihrem Dorf anlässlich eines Geburtstags besucht, trifft sie auf ihre gestörte, eiskalte Mutter, die derartig mit sich selbst beschäftigt ist, dass sie den kritischen Zustand ihrer Tochter gar nicht wahrnimmt. Einziger Ausweg für Marla ist die Flucht. Sie läuft davon: vor der Mutter, dem Dorf, den Menschen und letztlich vor sich selbst.

Wieder in Berlin angekommen, wird Marla von ihrer Mitbewohnerin in der WG umsorgt, indem sie ihr eine heiße Suppe kocht. Marla erkennt schließlich, das das Laben zu kurz ist, um sich ohne Anstrengung treiben zu lassen, und dass es auf Höhe des Herzens eine Verbindung gibt, die man erst einmal freilegen muss, um mit jemandem befreundet sein zu können.

Julia Zange hat einen Roman über die schmerzvolle Reise zu sich selbst geschrieben, der am Ende sogar einen Hoffnungsschimmer bietet.

Das Buch ist im Aufbau-Verlag erschienen, umfasst 157 Seiten und kostet 17,95 Euro.

Barbara Raudszus

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