Kanae Minato: „Geständnisse“

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Yuko Moriguchi, Klassenlehrerin einer Mittelstufenklasse, verabschiedet sich von ihrer Klasse, da sie vorhat, die Schule zu verlassen. Bei einem tragischen Unglücksfall ist ihre vierjährige Tochter im Schulschwimmbad ertrunken. Moriguchi bedankt sich bei den Schülern für die erfolgreiche Teilnahme am Milch-Projekt der Schule. Jetzt soll untersucht werden, ob der tägliche Milchgenuss zu höherer Konzentration und besseren Schulleistungen beigetragen hat.

MinatoNachdem sie recht sachlich über das Projekt gesprochen hat, kehrt sie noch einmal zu dem tödlichen Unfall ihrer Tochter zurück und lässt die Bombe platzen: die Kleine sei nicht durch einen unglücklichen Zufall ertrunken, sondern von zwei Schülern dieser Klasse ermordet worden. Sie wisse auch genau, wer die Täter seien. Die Klasse ist natürlich geschockt. Wer sind die Täter? Welche Maßnahme wird die Lehrerin ergreifen?

Da die Schüler noch minderjährig sind, ist es aus der Sicht der Lehrerin wenig sinnvoll, zur Polizei zu gehen und die Täter anzuzeigen. Sie werden ihrer Meinung nach keine angemessene Strafe erhalten. Daher hat sie sich selbst eine bittere Strafe ausgedacht und die Milchpäckchen der beiden Täter mit AIDS-Viren verseucht. So hätten die beiden noch zehn gute Jahre, bevor sich der Virus bemerkbar mache. Und die beiden Jungen hätten genügend Zeit, darüber nachzudenken, wie kostbar ein Menschenleben sei. Schnell findet die Klasse heraus, wer die Mörder in ihren Reihen sind, und entwickelt eigene Methoden des Abstrafens.

Die Autorin stellt die beiden Jugendlichen detailliert mit ihrer jeweiligen Vorgeschichte und ihren jetzigen Nöten vor und analysiert die Motive für ihre schreckliche Tat. Am Ende des Romans tritt dann noch einmal die Lehrerin mit einer unerwarteten Überraschung auf.

Kanae Minato hat einen spannenden Roman geschrieben. Besonders gelungen sind die Psychogramme der Täter, ihrer Eltern und auch der Lehrerin. Der Leser wird hin und her gerissen in seiner Einstellung gegenüber den Protagonisten. Schuldig oder nicht schuldig? Welches Strafmaß wäre richtig? Warum sind die Jugendlichen so missraten? Für Eltern und alle, die mit Kindern arbeiten, ist dies ein nachdenklich stimmendes Lehrstück, das den Blick bei auffälligen aber gerade auch bei unauffälligen Schülern schult und auffordert, genauer hinzuschauen und immer wieder das Gespräch zu suchen.

Das Buch ist im Verlag C. Bertelsmann erschienen, umfasst 270 Seiten und kostet 16,99 Euro.

Barbara Raudszus

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