Philip le Roy: „Die goldene Pforte“

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Auf der Buchmesse in Porto Vecchio im Jahr 2013 kommt eine verschleierte Frau auf den Autor zu. Sie hält eine Tasche fest an sich gepresst, in der sich angeblich Informationen befinden, die die Welt radikal verändern könnten. Dann ist sie verschwunden. In der Tasche befinden sich Dokumente über den Koran, die behaupten, die Urschrift des Korans sei jüdisch-christlichen Ursprungs und von den Nazarenern lange vor Mohammeds Erscheinen verfasst worden.

An den Leser ergeht noch folgende Warnung: „Lieber Leser, sie begeben sich in Gefahr, wenn Sie diese Seiten umblättern. Vielleicht werden Gewissheiten ins Wanken geraten. Sollte  Sie dazu nicht bereit sein, schlagen Sie das Buch lieber zu.“ Wer es dennoch wagt, sich mit Hilfe des Romans „Die goldene Pforte“ auf das Abenteuer Koran einzulassen, den wird die Geschichte nicht mehr loslassen.

Der dreißigjährige Simon erfährt vom gewaltsamen Tod seiner Eltern. Er muss erstens den Tod der Eltern verkraften und zweitens sein Leben neu ordnen. Nichts ist mehr so wie es war. Er erfährt, dass sein Vater als Wissenschaftler über die Ursprünge des Korans geforscht hat. Zu diesem Thema hat ihm der Vater geheime Unterlagen in einem Tresor hinterlassen, damit Simon weiter auf Spurensuche gehen kann. Doch der Tresor wurde aufgebrochen und die Unterlagen geraubt.

Menschen wie Markus oder die hübsche Sabbah treiben Simon vor sich her und bringen ihn immer wieder in lebensbedrohliche Situationen. Bald erkennt er, dass es eine weltweite Gruppe von Forschern gibt, die mit seinem Vater eng vernetzt waren, aber die Beweise für die Ursprünge des Korans nur im Geheimen aufspüren konnten. Immer wenn Simon neue Erkenntnisse gewinnt, kommt es zu brutalen Attacken gegen seine Informanten oder gegen ihn selbst. Doch er kann nicht mehr aussteigen – dafür sorgt schon Sabbah. Sie schützt ihn, rettet ihn mehrmals aus Lebensgefahr und wird seine Geliebte. Auch sie will unbedingt die fünf Beweise finden, den den christlichen Ursprung des Korans belegen.

Das ist zum Einen die Inschrift „zum Ruhm Jesu Christi“ im Felsendom von Jerusalem, zum Anderen eine antike Karte Syriens, die angeblich beweist, dass das biblische Mekka in Syrien lag. Weiterhin existieren diplomatische Depeschen der Nazarener an die Araber, die zur Wiedereroberung Jerusalems aufrufen. Außerdem ist da der „Codex Coranicus“ – der ursprüngliche Koran -, den Waraqa ibn Naufal geschrieben hat, um die arabischen Stämme zu missionieren. Der letzte Beweis besteht in der Rückkehr des Messias, der das legitime Priesteramt im Tempel wieder einsetzen wird.

Alle diese Beweise wurden angeblich von arabischen  Kalifen unterdrückt, der Koran umgeschrieben und mit Dogmen und den Suren neu verfasst. Dass dies brisanter Stoff ist, merkt auch Simon bald, dennoch fühlt er sich dem Erbe seines Vaters verpflichtet.

Dieser Roman ist ein unglaublich spannender und akribisch recherchierter Kriminalroman und regt zum Nachdenken an. Das Taschenbuch ist im Benevento-Verlag erschienen, umfasst 342 Seiten und kostet 16 Euro.

Barbara Raudszus

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