Domenico Starnone: „Auf immer verbunden“

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Vanda und Aldo, ein älteres Ehepaar Ende sechzig, kehrt aus einem Urlaub vom Meer nach Rom zurück. Zu Hause angekommen, fällt ihnen auf, dass die Wohnungstür einen Spalt offensteht. Anfangs lässt sie sich nicht weiter öffnen, da Glasscherben am Boden die Tür von innen blockieren. Schließlich gelingt es ihnen, die Tür zu öffnen. Und dann kommt der Schock: alles ist verwüstet. Schubladen sind entleert, Polster aufgeschlitzt, Möbel umgeworfen, Bücher aus den Regalen gerissen. Hier muss während ihres Urlaubs jemand eingebrochen sein. Vanda und Aldo stehen vor einem Rätsel, denn bei ihnen gibt es eigentlich nichts zu holen. Das bißchen Bargeld ist noch da, genauso wie Vandas einziges Schmuckstück, eine Perlenkette. Für Vanda ist jedoch die größte Tragödie, dass ihr Hauskater verschwunden ist.

Dies ist die Schlüsselszene in Domenico Starnones Roman „Auf immer verbunden“, zeigt sie doch symbolhaft das Desaster einer zerrütteten Familie anhand einer demolierten Wohnungseinrichtung. Da ist kein Ding mehr an seinem Platz. Auch das Seelenleben der Protagonisten ist aus den Fugen geraten. Man hat sich über die Jahre arrangiert und wahrt nach außen die Fassade, aber Aldos Ehebruch vor Jahren hat tiefe Verletzungen bei den Kindern hinterlassen.

In den verschiedenen Kapiteln des Romans kommen alle Familienmitglieder zu Wort und berichten, wie sie die länger dauernde Trennung von Ehemann und Vater erlebt haben und welche Wirkung das auf sie gehabt hat. Und Aldo? Er hat die Zeit mit seiner jungen Geliebten Lidia ohne schlechtes Gewissen genossen und meint, dieses Vergnügen stehe ihm zu.

Domenico Starnones Roman ist eine bitterböse Abrechnung zum Thema „Ehebruch“, die an die Nieren geht. Das Buch ist in der Deutschen Verlagsanstalt (DVA) erschienen, umfasst 171 Seiten und kostet 18 Euro.

Barbara Raudszus

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