Lutz Wilhelm Kellerhoff: „Die Tote im Wannsee“

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Der Kriminalroman von Lutz Wilhelm Kellerhoff führt uns ins Berlin der späten 60er Jahre. Die Stadt ist durch die Mauer, Wachtürme und Selbstschussanlagen in Ost- und Westsektor geteilt. Während im Osten der Stadt ein autoritäres System und dessen Sicherheitsdienst – die Stasi – den Menschen zu schaffen machen, herrscht im Westen Berlins – vor allem unter den jungen Studenten – eine aufgeheizte Stimmung. Die APO – AußerParlamentarische Opposition – würde am liebsten einen Systemsturz herbeiführen. Dabei ist ihr jedes Mittel recht, um Anarchie zu verbreiten. Unterstützt wird die APO von der DDR, die ihre Stasi-Spione munter in Westberlin einsetzt.

In diesen unruhigen Zeiten muss Wolf Heller, Kommissar bei der Mordinspektion M1 in Westberlin, einen Fall klären, bei dem eine junge Mutter ermordet und im Wannsee versenkt wurde. Die Tote hieß Heidi Gent und war Angestellte im Büro von Horst Mahler, dem Anwalt, der die RAF-Terroristen vertrat und der aggressiven linken Szene sehr zugeneigt war.

Die Frage, die sich dem Kommissar stellt, lautet, ob es sich um eine Beziehungstat durch den alkoholisierten Ehemann handelt, oder ob vielleicht sogar politische Ziele mit dem Mord in vVrbindung stehen. Schließlich hatte die Ermordete ja für Horst Mahler gearbeitet.

Heller findet heraus, dass Heidi Gent häufiger mit einem weißen BMW abgeholt worden war. Auch hatte sie 12.000 DM gespart. Woher stammt das Geld? Hatte sie vielleicht einen reichen Liebhaber?

Heller stößt immer wieder auf Spuren, die größere und vor allem politische Hintergründe vermuten lassen, aber gerade dann wird er von seinen Vorgesetzten ausgebremst. Wer hat hier etwas zu verbergen? Und warum?

Der Kriminalroman ist spannend erzählt und lässt die Zeit der „68er“ in Berlin im Sinne eines historischen Zeitdokuments wieder lebendig werden. Doch auch die Zeit des Dritten Reiches und der Zweite Weltkrieg wirken immer noch nach. Der Roman ist besonders empfehlenswert für jüngere Leser, die diese Zeit nicht mehr erlebt haben. Aber ebenso für Ältere, die Mauerbau und die wilden 60er Jahre noch hautnah in Erinnerung behalten haben.

Das Buch ist im Ullstein-Verlag erschienen, umfasst 366 Seiten und kostet 16 Euro.

Barbara Raudszus

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