Florian Harms: „Versuchung“

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Calanda, der Protagonist dieses spannenden Kriminalromans, arbeitet als Privatdetektiv. Von einer Schweizer Firma, die sich mit Aromen beschäftigt, erhält er einen Spezialauftrag: ihm wird ein Stück Holz präsentiert, das wie ein gewöhnlicher Stock aussieht, aber an die 300 Milliarden Franken wert sein soll.

Vor drei Monaten war es in die Hände der Firma gelangt. Bei ersten Untersuchungen konnte zunächst nichts Besonderes an dem Holz festgestellt werden, bis ein kompetenter Mitarbeiter daran roch und von dem Duft regelrecht verzaubert war. Nachdem er an dem Holzstück geleckt hatte, war ihm klar, dass es sich hierbei um etwas ganz Außergewöhnliches handelte, mit einem einzigartigen, bisher noch unentdeckten Aroma.

Der menschliche Geschmack kann im Wesentlichen nur süß, sauer, salzig und bitter unterscheiden. Differenziertere Empfindungen beim Schmecken kommen nur durch den Geruchssinn zustande. Die Schweizer Firma wittert nun in dem Holzstück ein Riesengeschäft, da es sich um ein völlig neuartiges Aroma handelt.

Calanda erhält als Vorschuss auch gleich 350.000 Franken. Er ist als Ermittler für die Schweizer Firma offensichtlich sehr wichtig. Sein Auftrag lautet, den Mann zu finden, der das Stück Holz entdeckt hat. Doch der will sich nicht finden lassen. Es handelt sich dabei um Bernhard Lieblig, der im Auftrag des Schweizer Lebensmittelkonzerns nach Nordafrika gereist ist und sich per Fax von seinem Auftraggeber losgesagt hat, da er auf eigene Rechnung arbeiten will. Er hat gemeinsam mit den anderen Passagieren einen Flugzeugabsturz überlebt, ist aber seitdem verschwunden. Bei einem zweiten Flugzeugabsturz an der selben Stelle kommen alle Fluggäste um. Als einziger überlebt August Lieblig, Bernhards Sohn. Er ist auf der Suche nach seinem Vater, und Calanda sucht ebenfalls nach diesem.

Der Roman erzählt in zwei Handlungssträngen die abenteuerliche Suche nach dem Verschollenen und lässt die die exotische Welt des Orients lebendig werden. Außerdem erfährt der Leser viel über die Grundlagen des Geschmackssinns sowie über die Geschäftsideen, die hinter der Vermarktung von Aromen stecken.

Calanda bereist bei seinen Recherchen viele Länder besonders der arabischen Welt, entkommt knapp einem Attentat in Berlin, lernt unglaublich viel über Aromen, Kochkünste und Lebenskünstler – nur den Gesuchten findet er nicht. Doch langsam verdichtet sich sein Verdacht, dass hinter all dem eine Macht steht, die so stark ist, dass sie nicht einmal den Züricher Konzern fürchtet, geschweige denn irgendwelche Regierungen. Hier wird offenbar ein sehr altes Geheimnis bewahrt und geschützt.

Der Kriminalroman ist derart packend erzählt, dass man ihn nicht aus der Hand legen mag. Doch neben der spannende Suche nach dem verschwundenen Bernhard Lieblig erfährt der Leser viel Wissenswertes über die Geschäftsideen der Lebensmittelkonzerne und die unglaublichen Summen, die dort verdient werden.

Das Buch von Florian Harms, im bürgerlichen Beruf Chefredakteur von T-Online, ist im Benevento-Verlag erschienen, umfasst 448 Seiten und kostet 20 Euro.

Barbara Raudszus

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