Henning Mankell:"Mittsommermord"

Ein Kriminalroman um eine beängstigende Mordserie
 

Drei junge Leute wollen die Mittsom- mernacht fröhlich in historischen Kostü- men des 18. Jahr- hunderts feiern. Sie haben sich dafür einen entlegenen Platz mitten in der Natur ausgesucht. Sie kehren jedoch von dieser Feier nicht zurück. Postkarten aus verschiedenen Regionen Europas setzen die Eltern der jungen Menschen davon in Kenntnis, dass sie an die Mittsommernachtsfeier offenbar einen Europatrip angeschlossen haben. Doch eine Mutter schöpft Verdacht. Sie hält die Kartengrüße ihrer Tochter nicht für authentisch und wendet sich an die Polizei von Ystad.

Etwa zur gleichen Zeit wird der Polizist Svedberg mit zerschossenem Gesicht in seiner Wohnung aufgefunden. Kommissar Wallander beginnt nun mit der fieberhaften Suche nach dem Täter. Wer könnte ein Motiv haben, den eher zurückgezogen lebenden Svedberg so brutal zu ermorden. Hat Svedberg den Täter gekannt? Da sich keinerlei Spuren finden, die auf einen Wohnungseinbruch schließen lassen, muss Svedberg seinem Mörder sogar noch die Tür geöffnet haben. 

Als schließlich die drei vermissten jungen Leute erschossen im Wald aufgefunden werden, gönnt sich Kommissar Wallander überhaupt keine Ruhe mehr.
Bei seinen Recherchen kommt er immer mehr zu der Gewissheit, dass beide Fälle miteinander verknüpft sind. Die Polizei arbeitet Tag und Nacht. Der Druck der Öffentlichkeit wächst, doch die Nachforschungen bringen nur wenig Erfolg. Da geschieht der nächste Mord: ein Brautpaar wird samt seinem Fotografen nach einem Fototermin am Strand erschossen aufgefunden. Der Mörder hat keine Spur hinterlassen. Die Frage nach den Mordmotiven als Schlüssel für die Aufklärung der Fälle wird immer dringlicher. 

Wie Kommissar Wallander, so fiebert auch der Leser der Läsung des Falles entgegen. Und wie Wallander kaum Schlaf findet, so raubt dieser spannungsgeladene Krimi auch dem Leser des Nachtschlaf. Wer ist der Verrückte, der völlig unschuldige Menschen so eiskalt und ohne erkennbares Motiv ermordet?

Neben dem eigentlichen Plot wird in Mankells Roman auch Gesellschaftskritik laut. Was geschieht mit Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, die ihre sozialen Kontakte verlieren und dadurch vereinsamen, kurz, die in die Kaste der Nutzlosen aussortiert werden, während die Erfolgreichen das gesellschaftliche Leben bestimmen? Sind damit nicht abnorme Verhaltens- weisen vorprogrammiert? Der Autor überlässt es dem Leser, Antworten auf diese Fragen zu finden und sich nicht nur von der Spannung eines gut geschriebenen Krimis unterhalten zu lassen. 

Der neue Roman von Henning Mankell (Die fünfte Frau) ist im Zsolnay-Verlag unter der ISBN 3-552-04962-2 erschienen und kostet 45 DM.