Alex Garland:"The Beach"

Von der Suche nach dem Paradies 
 

Seien wir mal ehrlich " jeder kennt ihn, den Traum vom Paradies. Den ganzen Tag süßes Nichtstun; üppige Früchte, die einem nahezu in den Mund hineinwachsen; weißer, weicher Sand und kühles türkisfarbenes Wasser " die wärmende Sonne und hohe schattenspendende Palmen.
So oder ähnlich sieht sie aus, die Vorstellung vom Aussteigerleben " ein Leben, in dem es statt Hass und Eifersucht nur Harmonie und Frieden gibt, denn wer hätte an solch einem Platz schon Grund zum Streiten?

Richard, ein junger Engländer, entflieht seiner ver- regneten Heimat, um in Thailand ein paar Wochen auszuspannen und Land und Leute kennenzulernen. Seine erste Station ist die Khao San Road in Bang- kok, erste Anlaufstelle für alle Ankommenden " hier gibt es es zahllose Internet-Cafés, billige Hotels und Straßenhändler " und die Richard treffend als "Rucksackland" beschreibt. Hier treffen Aussteiger und Rucksacktouristen aufeinander, auf der Suche nach dem Abenteuer oder dem letzten unberührten Winkel " der jedoch schon längst im Reiseführer verzeichnet ist..

Richard nimmt sich ein Zimmer in einer Pension und muß in der ersten Nacht einen geistig verwirrten Zimmernachbarn ertragen, der sich wie die Comic- figur "Daffy Duck" nennt und ständig von einem Strand faselt.
Am nächsten Morgen hat "Mr. Duck" sich die Pulsadern aufgeschlitzt und Richard an seiner Tür eine Nachricht hinterlassen: Eine selbstgezeichnete Landkarte, auf der der legendäre Strand verzeich- net ist. Seine Neugier lässt ihn ein junges französi- sches Paar befragen, die von dem sagenhaften Strand schon gehört haben. Francoise und Etienne überzeugen ihn, sich gemeinsam auf die Suche zu machen. Die Reise der drei ist voller Gefahren und Strapazen, doch völlig erschöpft erreichen sie ihr traumhaftes Ziel.

Eine kleine  Kommune lebt hier friedlich und in Harmonie zusammen, ernährt sich durch kluge Arbeitsteilung vollkommen selbständig, und es scheint, als hätten hier alle ihr Glück gefunden. Die drei Neuankömmlinge fügen sich schnell in die Gemeinschaft ein und geniessen ihre Freiheit.

So könnte die Geschichte enden - wäre da nicht der Trieb des Menschen, etwas Schönes und Ein- zigartiges nicht mit anderen teilen zu wollen. Allen ist klar, daß ihre Idylle verloren wäre, sollten Tou- risten diesen Ort für sich entdecken. So gilt als oberstes Gebot, den Strand mit allen Mitteln gegen Eindringlinge zu verteidigen. Sal, die "Führerin" der Gruppe, die vor Jahren mit ihrem Freund und Mr. Duck den Strand entdeckte, stellt dieses Gebot über alles Andere und scheint alle zu überwachen. Richard fühlt sich dadurch einerseits bedroht, ande- rerseits fühlt er wie Sal und will den Garten Eden schützen.

Doch langsam nimmt angesichts der Lügen und Intrigen der Wahnsinn von ihm Besitz. Mister Duck erscheint ihm zunächst nur im Traum, doch mit der Zeit wird er immer stärker und Richard beginnt auch tagsüber mit ihm fiktive Gespräche zu führen. Bald kann er Realität und Fiktion nicht mehr aus- einanderhalten. Die Situation wird gefährlich, als der Strand tatsächlich bedroht zu sein scheint...

Alex Garland zeigt in seinem Buch eindrucksvoll, daß die dunkle Seite des Menschen selbst unter paradiesischen Bedingungen hervorbricht. Wo keine Schwierigkeiten sind, produziert der Mensch selbst welche.  Gleichzeitig beschreibt Garland mit sarkastischem Unterton die Mentalität der Aussteiger, die noch nicht bemerkt haben, dass selbst das Abenteuer schon kommerzialisiert worden ist.

Das Buch "The Beach" von Alex Garland ist im Goldmann-Verlag unter der ISBN 3-442-44738-0 erschienen und kostet 15 DM.