Seit
seiner Gründung hat sich der Staat Israel in mehreren Kriegen mit
seinen arabischen Nachbarn auseinander setzen müssen. Dabei erober-
ten die Israelis 1967 im Krieg gegen Syrien die strategisch wichtigen Golan-Höhen
an der nordwestlichen Grenze Israels zu dem Nach- barn und halten sie seitdem
besetzt. Im "Yom Kippur"-Krieg 1973 wurde diese Annektion - militärisch
- bestätigt. Aufgrund eines entsprechen- den Abkommens von 1974 übewacht
die UNO die Einhaltung des Waffenstillstands. Zu diesem Zweck stellen unter
anderem die Österreicher ein Kontin- gent.
Der Österreicher Robert Blunder, Jahrgang 1957 und Oberstleutnat
der Reservere, hat selbst drei Einsätze als UNO-Beobachter auf dem
Golan absolviert und kennt daher die geographische und politische Situation
wie seine Westentasche.
In seinem Roman "Falken des Friedens" beschreibt er seine Erfahrungen
nahezu autobiografisch. Sein Held Dr. Bergner ist wie Blunder promovierter
Betriebswirt mit dem selben militärischen Grad und in dem gleichen
Alter. Arbeitslos und kurz vor der Scheidung stehend - wir nehmen einmal
an, dass dies nicht autobiografisch ist - entschließt
er sich, einen zweiten Einsatz auf dem Golan zu wagen, um sich über
seine Zukunft klar zu werden.
Schon auf dem Flug nach Damaskus wird er von einem seltsamen Mann angesprochen,
der anschei- nend viel über ihn weiß und ihm ein dubioses Geschäft
anbietet. Im Camp wird er die Nachfolge eines anderen Offiziers antreten,
der offensichtlich zu stark in verschiedene politische und private Affä-
ren verstrickt ist, als dass er noch länger tragbar wäre. Bald
schon merkt Bergner, wie man am Golan in solche Verstrickungen geraten
kann. Dass jede einigermaßen attraktive Frau, die es seltsamer- weise
in diesem militärischen Ambiente nicht zu knapp gibt, an ihm interessiert
ist, schmeichelt zwar seiner Eitelkeit, lässt ihn aber auch misstrauisch
werden. Bald schon muss er feststellen, dass nahe- zu jede attraktive Frau
in der Umgebung der UNO-Offiziere von den Geheimdiensten der am Konflikt
beteiligten oder interessierten Ländern engagiert sind, um die UNO-Offiziere
auszuhor- chen oder gar in kompromittierende Situationen zu bringen. Wenn
das nicht klappt, lockt man mit Geld, und wenn diese Karte nicht sticht,
greift man auf der nach oben offenen Drohungsskala der Geheimdienste zur
nächst schärferen Waffe. Dabei kennen beide Seiten keine Skrupel,
wenn es um die Interessen des eigenen Landes, die eigenen Kar- riere oder
den Machterhalt geht.
In seiner Eigenschaft als Verbindungsoffizier zu bei- den Seiten - Syrern
und Israelis - gerät Bergner sehr schnell zwischen die Fronten taktierender
und intrigierender Militärs beider Seiten, die ihn jeweils auf ihre
Seite ziehen, aushorchen und unter Druck setzen wollen. Langsam lernt er,
seine Gegenüber zu durchschauen, auch wenn ihm die politischen und
militärstrategischen Zusammenhänge nur sche- menhaft und stückweise
klar werden. Nebenbei lernt er zwei attraktive Syrerinnen kennen, die je-
doch noch mehr Interessen zu haben scheinen als ihr Studium in Damaskus.
Aufgrund seiner desola- ten privaten Situation lässt er sich auf eine
Bezie- hung ein und rückt damit der Wahrheit aber auch der Gefahr
Schritt um Schritt näher.
Als zwei UNO-Solda- ten eines Morgens in der Nähe undurchsich-
tiger syrischer Militär- einrichtungen erschos- sen aufgefunden werden
und die Syrer schnell einen kleinen Ganoven als Täter entlarven, der
sich im Geheimdienst- Gefängnis angeblich selbst aufgehängt hat,
beginnt der Einsatz für Bergner gefährlich zu werden. Als dann
seine politischen Gesprächspartner feststellen, dass er persönlich
unbestechlich ist und nur seinem UNO-Auftrag folgt, steigert sich die Gefahr
bis zur persönlichen Lebensbedrohung.
Als er am Ende dank genauer Beobachtung,
ris- kanter Recherchen und logischer Überlegungen den gesamten Hintergrund
aufdeckt, wird er vor allem für die Syrer zum Sicherheitsrisiko, das
man nach Möglichkeit ausschaltet. Aber das Buch wäre kein Thriller,
wenn Bergner nicht in letzter Sekunde etwas abenteuerlich dem eigenen Exitus
entrinnen würde, die vielleicht einzige wenn auch verzeihliche Schwäche
dieses Buches.
Blunder erzählt die Geschichte mit viel detailliertem Hintergrundwissen
und schafft es dabei, sowohl sachlich kompetent und vorurteilslos als auch
span- nend und temporeich zu schreiben. Sein Sachwis- sen ist so in die
Dialoge mit den Partnern und Geg- nern eingewoben, dass es nielmals nur
belehrend oder langweilig wirkt. Dabei bringt er die für einen
Thriller wohl unvermeidliche Prise "Sex & Crime" in akzeptablem
Umfang ein, und auch das - gefähr- liche - Sentiment wird auf einer
für dieses Thema angemessenen Sparflamme gehalten.
Alles in allem ein rundes und spannendes Buch über ein aktuelles
politisches Thema, das die Lektüre wirklich lohnt.
Das Buch ist im Haymon-Verlages unter der ISBN 3-446-19771-0 erschienen
und kostet 29,80 DM.