Klaus Brill: Beim Papst im Zimmer brennt noch Licht

Recherchen im Vatikan
 

Der Vatikan ist nicht nur Ziel vieler katholischer Pilger und politischer Prominenz, sondern auch seit langem Thema vieler mehr oder weniger reiße- rischer Thriller, die sich meist um angeblich geheim gehaltene Dokumente drehen. Gerne unterstellt man dem Oberhaupt der katholischen Kirche zwecks Machterhaltung ungenierte Manipulation oder Ver- schleierung geschichtlicher Ereignisse.

Das vorliegende Bändchen berichtet erfreulich sachlich und nüchtern über das Innenleben des Vatikans, ohne deshalb langweilig zu werden. Autor Klaus Brill hat für seine Recherchen Zugang zu Institutionen, einzelnen Vertretern und "Externen" des Vatikans erhalten und zeichnet ein weitgehend unspektakuläres und teilweise sogar respektvolles Bild des Kirchenstaates. Ob es die Internet-Aktivitäten, die Oberhirten der lateinischen Sprache, der Exorzismus oder die Frauen im Vatikan sind, jedem Thema gewinnt Brill informa- tive Aspekte ab, die den meisten Lesern so nicht bekannt gewesen sein dürften.
Der Bericht über die berühmte Schweizergarde spart auch die tödlichen Ereignisse im Jahr 1998 nicht aus, und dem offiziellen Organ des Vatikans, dem "Osservatore Romano", ist eine geradezu liebenswür- dige Glosse aus der Sicht des Journalisten gewidmet. Vor allem bewundert und beschreibt Brill die Arbeits- last des Papstes, die zur Folge hat, das in seinem Zimmer oft noch spät "das Licht brennt".

Wer dem Vatiukan vorurteilslos gegenübertritt, erfährt aus diesem kleinen Buch viele aufschlussreiche Details, wer eher mit Vorbehalten belastet ist, kann bei der Lektüre vielleicht ein paart beliebte Vorurteile abbauen.

Das Buch ist in der Reihe "Lesereisen" des Picus-Verlages unter der ISBN 3-85452-720-9 erschienen und umfasst 131 Seiten.