| Klaus Merz: "Garn" |
| Prosa und Gedichte | |
"Der
Schlaflose arbeitet als Steigbügelhalter des neuen Tags....". Dieser
Satz ist einer der gelunge- nen Aphorismen des 1945 geborenen Schweizer
Schriftstellers. Das kleine Bändchen mit rund 90 Seiten enthält
Kurzprosa, Gedichte und Aphoris- men.
Die kurzen Prosastücke, kaum länger als zwei bis drei Sätze,
beleuchten Alltagssituationen und lassen sie plötzlich durch eine
surreale Volte eine völlig neue Bedeutung gewinnen. Oft beginnen die
Texte nahezu bieder und scheinbar affirmativ, die Schlusswendung verleiht
ihnen jedoch politische oder gesellschaftskritische Züge. Merz ver-
zichtet auf jegliche Erläuterung oder Hinführung zur Aussage.
So knapp wie nur irgend möglich schießt die abschließende
Aussage aus dem Text und lässt den Leser betroffen stehen. Versteht
sich, dass unter diesen Stücken auch so manches etwas angestrengt
oder vordergründig, da politisch gar zu korrekt, daher kommt.
Die Aphorismen im dritten, "Atem, Pneuma, Föhn" benannten Teil
führen von der Schlaflosigkeit, der Nacht über ökologische
Klagen bis hin zur Kritik der menschlichen Eigenschaften. Auch hier geraten
bisweilen einige Aussagen etwas intellektuell- populistisch, einen sicheren
Beifall einstreichend. Dafür überraschen andere Sätze durch
ihre Aus- druckskraft, wie:
Das Buch ist unter der ISBN 3-85218-324-3 im Haymon-Verlag erschienen
und umfasst 92 Seiten.
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