| Nino Filasto: "Die Nacht der schwarzen Rosen" |
| Ein eher zähflüssiger "Avvocato Scalzi"-Roman über Kunst und Killer | |
Der
Autor des dichten und originellen Kunst-Krimis "Alptraum
mit Signora" hat sich in diesem Roman neuerlich eines Kunst- Themas
angenommen, und wieder steht sein Held, der eher etwas verkrachte "Avvocato"
Scalzi, im Brennpunkt des Geschehens.
Diesmal geht es um Modigliani, den italie- nischen Maler und Bildhauer,
der Anfang des 20. Jahrhunderts in Florenz lebte. In den 80er Jahren waren
urplötzlich Skulpturen von Modigliani aufgetaucht, die weltweit Aufsehen
erregten und Scharen von tief bewegten Experten auf den Plan riefen, bis
sie sich als Studenten-UIk herausstellten.
Um diese Episode baut Nino Filasto einen Krimi auf, der am Ende des
letzten Jahrzehnts spielt. Ein ameri- kanischer Experte verfügt angeblich
über Beweise, dass einige der aufgefundenen Skulpturen tatsächlich
echt sind, und will dem mittlerweile fast vergessenen Verwirrspiel um echte
oder falsche Modiglianis auf die Spur kommen. In seiner Naivität ahnt
er nicht, dass er damit in ein Wespennest massiver finanzieller Interes-
sen und dunkler Machenschaften sticht, und bezahlt dafür mit seinem
Leben. Den angeblichen Unfall oder Selbstmord soll nun der eher unkonventionelle
Avvocato Scalzi im Auftrag der Freundin des Ver- blichenen untersuchen,
was er erst nach einigem Widerstreben annimmt, da er sich nicht als Privat-
detektiv sieht, sondern als Anwalt.
Ihm zur Seite stehen seine Mitarbeiterin und - prak- tisch, praktisch
- Lebensgefährtin Olimpia, der Taxi- fahrer Eros, der auch schon bessere
Tage gesehen hat, und sein Kollege Guerracci, der in diesem
Roman jedoch eine zwielichtige Rolle zwischen Anwalt und Verdächtigem
spielt.
So ist also das Plot für einen spannenden Roman abgesteckt, doch
leider verkocht Filasto dieses Rezept zu einem unentwirrbaren Spaghetti-Haufen
voller Personen, die entweder nur peripher mit der Angelegenheit zu tun
haben, noch vor einer gründlichen Ausleuchtung unschön versterben,
zu vordergründig als letztlich an diesen Todesfällen nicht beteiligte
Verdächtige hingestellt werden oder plötzlich als "Lucifer ex
machina" präsentiert werden. Das Personalkarrussel dreht sich zu schnell,
als dass die einzelnen vorbeisausenden Gestalten ausreichende Konturen
bekommen könnten. Überdies begeht Filasto noch einen schwerwiegenden
Fehler, als er nahezu die gesamte Schnüfflertruppe zu einem Recherche-Trip
nach Paris schickt, der das teilweise dichte toskani- sche Ambiente konterkariert
und wegen seiner dramaturgisch dünnen Decke den Fortgang der auch
schon in Florenz etwas schwergängigen Handlung endgültig zum
Erliegen bringt. Danach kommt die Geschichte nicht mehr richtig in
die Gänge und wird fast lustlos zu Ende geführt. Man hat das
Gefühl, dass Filasto nicht mehr wusste, was er über Modigliani
noch berichten solle, und deshalb schnell Schluss gemacht hat.
Positiv ist zu vermerken, dass der Leser wie auch bei Filastos anderen
"Kunstwerken" einiges über Modigliani und seine Zeit lernt, und das
sicher unterhaltsamer als in trockener Sekundärliteratur. Als Krimi
muss man dieses Buch jedoch wegen seiner verworrenen Handlung und zu vieler
loser Enden als misslungen betrachten.
Das Buch ist unter der ISBN 3-351-02860-1 im Aufbau-Verlag erschienen
und umfasst 350 Seiten.
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