| Eliette Abécassis: "Asche und Gold" |
| Versuch des ultimativen Romans über das Böse | |
Wenn ein Autor den Versuch unternimmt, dem Bösen "an sich" literarisch auf die Spur zu kommen, kann er sich ob dieses hohen Anspruchs leicht der Lächerlichkeit preisgeben, denn hier gerät er schnell an letzte religiöse und philosophische Fragen, die endgültig zu beantworten sich jeder schwer tun dürfte. Wenn jedoch die Judenvernichtung im Dritten Reich als Hintergrund für diese Sinnsuche gewählt wird, erstirbt üblicherweise alle Kritik, da Spott oder literarische Kritik bei einem solchen Gegenstand unangemessen scheinen.
Die französische Autorin Eliette Abécassis, Jahrgang 1969, hat sogar noch mehr gewollt. Sie stellt die Frage nach dem Wesen des Bösen in den Zusammenhang eines Thrillers und einer Liebesgeschichte, fast als wolle sie sich mit Goethes "Faust" messen.
Der junge Historiker Raphael Simmer geht in seiner Dissertation dem Wesen des Nationalsozialismus´ nach. Zusammen mit seinem engen Freund Felix, einem weltläufigen Journalisten, versucht er, dem so brutalen wie unverständlichen Mord an dem deutschen Theologen Carl Schiller auf die Spur zu kommen, von dessen zweigeteiltem Körper nur die obere Hälfte aufgefunden wurde.
Im Zuge der Recherchen stoßen die beiden auf verschiedene Kleriker, Philosophen und Historiker, die entweder Schiller kritisch gegenüber standen oder mit ihm beruflich oder privat zu tun hatten. Dabei stehen immer wieder Juden im Mittelpunkt, als Opfer der "Shoah" - die Autorin redet bewusst nicht vom "Holocaust", da dieser Ausdruck als Strafe für frühere Vergehen verstanden wird - oder als deren Nachkommen.
Dabei verliebt sich Simmer in die Jüdin Lisa, deren Eltern Auschwitz überlebt haben. Lisa war vorher mit einem scharfen Kritiker Schillers liiert, der aus seiner Abneigung dem Deutschen gegenüber angeblich keinen Hehl gemacht hat. Schon bald gerät dieser in den Fokus der Behörden und wird des Mordes an dem Deutschen angeklagt. Simmer und sein Freund sind jedoch von seiner Unschuld überzeugt und versuchen, gewisse Dokumente aus Auschwitz zu finden, die angeblich Licht auf das grausige Geschehen werfen sollen.
Simmer und Lisa heiraten, sie verlässt ihn jedoch noch vor dem Prozess gegen ihren früheren Geliebten ohne Angabe von Gründen. Der Schluss überrascht, obwohl der aufmerksame Leser ihn aufgrund der Struktur des Buches erahnen könnte. |