"Freie Hand für De Luca"

Kriminalroman aus dem faschistischen Italien
   

Man stelle sich vor, in Deutschland würde jemand einen neuen Krimi-Helden erschaffen, der 1945 von der Gestapo zur Polizei wechselt, um seinem Beruf als Kriminalbeamter nachzugehen. Wenn diese Person in den Grundzügen auch noch positiv angelegt wäre, gäbe dies Anlass für Dutzende von Verrissen aller Couleurs.....

Nicht so in Italien! Dort schafft es der vom Faschismus unberührte Autor Lucarelli, Jahrgang 1960, seine Hauptperson De Luca im April 1945 als ehemaligen Mitarbeiter der berüchtigten Muti – einer Art Sonderpolizei des faschistischen Regimes – in die Polizeiarbeit zurückgehen und dort auch noch glaubwürdig gute Arbeit verrichten zu lassen, ohne dass dies gegen irgend eine "political correctness" verstößt.

De Luca wird in seinem ersten Fall mit dem Mord an einem noch jugendlichen Lebemann konfrontiert, der die Frauen liebte – und die Frauen ihn – und der eng mit dem verlöschenden Faschismus liiert war. Instinktiv möchte de Luca wie seine Kollegen diesen heiklen, nach politischen Verwicklungen "stinkenden" Fall fallen lassen, was angesichts der finalen politischen Situation nicht schwierig wäre, erfährt jedoch erstaunlicherweise nicht nur die volle Rückendeckung sondern auch die explizite Aufforderung seiner noch faschistischen Vorgesetzten, diesen Fall schnell zu lösen. Allerdings gibt man ihm auch gleich deutliche Hinweise auf die vermuteten Täter mit auf den Weg.....

Je tiefer De Luca nun in dem persönlichen, politischen und geschäftlichen Sumpf des Mordopfers gräbt, desto verworrener wird die Mixtur aus Verdächtigen und Motiven und desto klarer wird ihm, was seine Vorgesetzten eigentlich bezwecken.........

Das Ganze ist gewürzt mit kriegerischen Intermezzi wie Partisanen-Angriffen oder Bomber-Anflügen der Alliierten und hektischen Reaktionen der abrückenden Deutschen, die allerdings mehr im Zitat als im direkten Auftritt zu Worte kommen.

Natürlich löst De Luca seinen ersten Fall als Held dieses Autors im letzten Moment, und auch das Überraschungsmoment ist gesichert, wenn es sich auch im Rahmen des konventionellen Krimis bewegt. Was dieses Buch so lesbar macht, ist der sachlich-nüchterne Stil und der Verzicht auf jegliche vordergründige Moralisierung des Kontextes. Die Dinge werden so beschrieben, wie der Autor sie aus seinen Recherchen ermittelt hat, und damit erübrigen sich Abhandlungen über das Wesen von Gut und Böse aus der hohen Warte des Autors. Allerdings fragt man sich, warum heute ein Vierzigjähriger ohne persönlichen Bezug zu dieser Zeit einen Krimi über den italienischen Faschismus schreibt. Vielleicht, weil diesem Thema in den vergangenen fünfzig Jahren in Italien nicht die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet worden ist?

Das Buch ist im Elster-Verlag unter der ISBN 3-8915-266-X erschienen und umfasst 107 Seiten.