Antoni Libera: "Madame"

 

Der Ich-Erzähler berichtet über seine Jugend in Polen. Seine Erwartungshaltung an das Leben ist groß und so empfindet er, dass "interessante Zeiten, ungewöhnliche Begebenheiten, phänomenale Menschen" der Vergangenheit angehören. Seine Jugend plätschert so dahin, geprägt von Auseinandersetzungen mit Lehrern und anderen Jugendlichen. Kleine Highlights glimmen auf, wie die spontane Improvisation mit seiner Band zu "Hit the Road Jack" (Ray Charles) auf einer öden musikalischen Veranstaltung in der Schule. Ein anderes Mal begehrt er gegen die Autorität seines Direktors auf und setzt ein Theaterstück für einen Wettbewerb gegen den Direx durch. Seine Gruppe gewinnt dann tatsächlich den ersten Preis, und er muss hinnehmen, dass der Direktor ihn zu guter letzt doch noch austrickst.

Konfrontationen mit Autoritäten in der Schule zeigen ihm immer wieder, dass es im Leben nicht nur gerecht zugeht und dass man als Jugendlicher und Schüler eigentlich ein Nichts ist, insbesodere im autoritären Polen.

Doch dann tritt "Madame" in sein Leben. Die junge, gut aussehende Französischlehrerin - gleichzeitig neue Rektorin seiner Schule - fasziniert ihn. Sie verhält sich allen Schülern gegenüber sehr distanziert und führt souverän das Unterrichtsgeschehen. Sie gibt sich keinerlei Blöße - alles an ihr schein perfekt von der Figur über die elegante Kleidung bis hin zu ihrem Französisch, das dem einer wirklichen Französin um nichts nachsteht. Irgendwie scheint sie geheimnisumwittert und der jugendliche Held ist besonders von dem Gedanken die Geheimnisse um Madame zu lüften. Mit enormem Erfindungsreichtum begiebt er sich auf die Such nach Madams Vergangenheit.

Dabei versteigt er sich tief in die polnische Geschichte. Auf diesem Wege findet er schließlich seine eigene Identität.  Andererseits befasst er sich intensiv mit Literatur und entwickelt dabei seine eigene Schreibfähigkeit, um "Madame" zu imponieren und ihr zu gefallen.

Liberas Roman ist gut zu lesen und bietet Literaturfreunden viele Bezüge zu anderen Autoren, über die es sich nachzudenken lohnt. Allerdings muss man für die rund 500 Seiten Lesestoff genügend Muße aufbringen.

Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch Verlag "dtv Premium" unter der ISBN 3-423-24222-1 erschienen und kostet 34,- DM.