| Leszek Kolakowski: "Mini-Traktate" |
| ...über Maxi-Themen | |
Der polnische Philosoph Leszek Kolakowski hat sich bereits in den 60er Jahren einen Namen als scharfsinniger und -züngiger Autor gemacht. Dank seinem eingängigen und engagierten Stils war so die Emigration 1968 nur eine logische Folge.
In dem vorliegenden kleinen Band sind eine Reihe kurzer Essays über die kleinen, d.h. eigentlich großen Themen des menschlichen Zusammenlebens zusammengefasst. Dabei glänzt Kolakowski hier durchaus nicht durch intellektuelle Höhenflüge oder besonders satirische Darstellung. sondern er schafft es, die großen Un- und Tugenden der Menschen auf eine einfache und doch nicht triviale Wiese zu präsentieren und zu sezieren.
Die eher geradlinige Ausdrucksweise ist darauf zurück zu führen, dass er diese Ausführungen in den 60er Jahren als Fernsehvorträge für ein breites Publikum gehalten hat. Wenn er dann über Themen Macht, Lüge, Gleichheit, Freiheit und Toleranz redet, ist nur zu deutlich der Bezug zur jeweiligen politischen Situation zu erkennen, obwohl er ihn aufgrund der damals doch allgegenwärtzigen Zensur eher in allgemeine Formulierungen einpacken musste. So unterbleibt der direkte Verweis auf aktuelle Zustände, der uns heute als selbstverständlich erscheint.
verständlichen Gründen teilweise etwas hausbacken vorkommen, entfalten sie doch auf den zweiten Blick Erkenntnisse, die nur aufgrund der bewusst schlichten Ausdrucksweise alsbekannt erscheinen. Vieles ist bei Kolakowski in Nebensätzen versteckt und man muss sich manche Halbsätze erst eingehen lassen, um ihre Treffsicherheit und - damalige - Schärfe zu erkennen.
Das Buch ist im Reclam-Verlag unter der ISBN 3-379-01690-X erschienen und kostet 18,- DM.
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