Margaret Atwood: "Der blinde Mörder"

Familienroman um zwei Schwestern
 

Die ungleichen Schwestern Iris und Laura Chase wachsen wohlbehütet in einem Fabrikantenhaushalt auf. Während die ältere Iris unauffällig und angepasst Kindheit und Jugend verbringt, herrscht um die jüngere Laura Aufregung, und immer ist es Iris, der die Verantwortung für Laura zugeschoben wird. Die Mädchen verlieren früh ihre Mutter und sind daher auf sich gestellt.

Mit fünfzehn Jahren verliebt sich Laura in den wesentlich älteren Alex Thomas, der für die politische Linke im Land arbeitet. Die Verbindung ist für Laura nicht standesgemäß und so finden die Treffen der Liebenden immer heimlich in schäbigen Absteigen oder heruntergekommenen Cafés statt. Dabei unterhält Alex Laura fortgesetzt  mit Erzählungen aus der Science-Fiction-Welt des Planeten Zycron. Der Held dieser grausamen Geschichten ist Mitglied der "Blinden Mörder", die erst als Kindersklaven feinste Teppiche weben müssen und nach getaner Arbeit geblendet werden. Später werden sie als Mörder für alle möglichen Aufträge gedungen.

Die Treffen von Laura und Alex sind von einer schweren Melancholie überlagert, da sich die Beziehung nicht entwickeln kann. Iris dagegen wird mit achzehn Jahren an einen wohlhabenden standesgemäßen Unternehmer verheiratet. Sie gibt in der Ehe jede eigene Identität auf und lässt sich von ihrem Ehemann und dessen "rechter Hand" ihr Leben vorschreiben.

Der Roman nimmt immer wieder Bezug auf die Schicksale der beiden Schwestern. In epischer Breite werden die unterschiedlichen Lebenssituationen der beiden geschildert.

Als Laura tragisch ums Leben kommt, geht Iris den Spuren der jüngeren Schwester nach und wird sich dabei über ihr eigenes Leben klar.

"Der Blinde Mörder" ist ein komplexes Familienepos, das dem Leser nicht nur die Lebenswege zweier unterschiedlicher Schwestern vor Augen führt, sondern eine Zeitepoche vor und während des zweiten Weltkrieges in Kanada schildert.

Der Leser muss Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen, um die  siebenhundert Seiten zu bewältigen. Wenn man sich jedoch eingelesen hat, hat das Thema suggestive Wirkung und lässt den Leser nicht mehr los.

Der Roman (691 Seiten) ist im Berliner Verlag unter der ISBN 3-8270-0013-0 erschienen und kostet 48 DM.