| Henning Mankell: "Chronist der Winde" |
| Ein aufrüttelnder Roman um afrikanische Straßenkinder | |
Der südafrikanische Bäcker José Antonio Maria Vaz findet eines Abends den zehnjährigen Nelio mit einem Bauchschuss auf einer Theaterbühne. Nelio ist schwer verletzt und wünscht sich nichts weiter, als auf dem Dach unter dem Sternenhimmel zu liegen. Er möchte nicht ins Krankenhaus gebracht werden. José versorgt die Wunde des Jungen, gibt ihm zu essen und zu trinken und hört sich die Lebensgeschichte des Kindes an.
Nelio war behütet in einem afrikanischen Dorf aufgewachsen. Sein Vater war häufig fort, da er Geld in den Edelsteinminen verdienen musste. Die Mutter versorgte die Kinder. Da drangen eines Tages Banditen in das Dorf ein und brachten alle Einwohner um. Nur der fünfjährige Nelio konnte entkommen. Von nun an musste er jeden Tag um sein Überleben kämpfen. Mit der Hilfe eines älteren Mannes gelangte er in die Stadt und schloss sich dort einer Bande von Straßenkindern an. Nelio fand einen guten Schlafplatz in einem Reiterdenkmal, während die anderen Kinder in Pappkartons übernachteten. In Mülleimern suchten sie nach Nahrung, mit Autowaschen verdienten sie sich etwas Geld für das Nötigste. Auch die anderen Kinder haben ähnliche Erfahrungen wie Nelio gemacht. Die Bande ersetzte ihm die Familie, Geborgenheit gab es jedoch nicht, der tägliche Überlebenskampf war für alle gleich hart. Dennoch hörten sie einander zu und die Starken unterstützten die Schwächeren. Eine Zukunft gab es für die Kinder jedoch nicht. Es ging immer nur darum, den nächsten Tag zu überstehen.
Wenn Nelio die Reichen in der Stadt betrachtete, konnte er umso deutlicher die eigene Armut ermessen und er erkannte auch ganz klar, dass er aus diesem Sumpf nicht aus eigener Kraft herauskommen würde.
Dennoch trugen alle Straßenkinder eine große Hoffnung in sich, eine Vorstellung davon, dass es ihnen eines Tages besser gehen würde.
Als einer von ihnen tödlich erkrankt, will Nelio ihm seinen Traum vom Paradies erfüllen. Tatsächlich schaffen es die Kinder mit geringen Mitteln aber viel Phantasie, dem Sterbenden die Illusion vom Paradies zu vermitteln. Für Nelio allerdings hat diese Vorstellung tödliche Folgen...
Der für seine ausgefallenen Krimis bekannte Henning Mankell hat mit diesem Roman ein Buch voller Menschlichkeit und Mitgefühl verfasst. Er rüttelt allerdings auch am Gewissen der Leser, mehr Engagement und Mitmenschlichkeit zu zeigen und Situationen wie die der afrikanischen Straßenkinder nicht zuzulassen. Es ist eine Lebensgeschichte, die Spuren hinterlässt.
Das Taschenbuch ist im Zsolnay-Verlag unter der ISBN 3-552-04981-9 erschienen und kostet 36 DM..
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