| Thomas Röthlisberger: "Das Lotsenhaus" |
| Roman über die persönliche Erfahrung des Sterbens | |
Der Tod und vor allem das bewusste Zusteuern auf diese letzte, irreversible Erfahrung, das Sterben, haben ernsthafte Schriftsteller schon immer fasziniert. Der Schweizer Thomas Röthlisberger hat das Sterben bereits in "Die Eiswanderung" thematisiert und nimmt es in dem vorliegenden Roman erneut auf. Auch hier spielt wieder der Spannungsbogen zwischen einer in den Augen des Autors in Konventionen erstarrten Schweiz und einem nahezu verklärten Skandinavien eine wesentliche Rolle.
Armin, Sohn eines Schweizer Schuhfabrikanten, ist spät seiner Leidenschaft für das Schreiben gefolgt, hat sich sowohl als Juniorchef der ungeliebten Fabrik als auch als Ehemann einer ihm gleichgültigen Frau und Familie gelöst und sich zum beachteten Schriftsteller mit einer besonderen Vorliebe für Skandinavien emporgeschrieben, als ihn ein kritischer Brief einer jungen Schwedin trifft, die ihm mangelnde Lebenskenntnis vorwirft. Natürlich führt der Autor Röthlisberger seinen fünfzigjährigen Schriftsteller und die junge, ebenfalls vom Leben enttäuschte Frau in Schweden zusammen, und es entwickelt sich eine Beziehung.
Der Todesbezug kommt durch die unheilbare Krebserkrankung Armins ins Spiel, die ihm nur noch eine kurze Zeitspanne gewährt. Nun wird seine Sehnsucht nach der alten Lotsenstation, die ihn wegen ihrer einsamen Lage auf einer kleinen schwedischen Schäre und wegen ihres stillen Symbolgehalts schon immer fasziniert hat, unwiderstehlich. In diesem unbewohnten und nur mehr für sich stehenden Gebäude konzentrieren sich alle abgelebten und nie verwirklichten Wünsche und Hoffnungen eines in seinen Augen vertanen Lebens. Er, der lange und unkritisch den bürgerlichen Konventionen seiner Heimat gefolgt ist, ohne sich über Sinn und Ziel seines Lebens Gedanken gemacht zu haben, sieht sich plötzlich auch als Schriftsteller in einer falschen Rolle.
Die junge Fina hat ihm die Augen darüber geöffnet, dass auch seine Schriftstellerei Flucht aus dem Leben in eine künstliche Welt aus erdachten Lebensläufen gewesen ist. Erst ein von Fina organisierter Besuch im zerstörten Sarajevo öffnet ihm die Augen über die wahre Realität des Lebens. Da ist es nur folgerichtig, dass er nach dieser Erfahrung mit dem Schreiben aufhört und auf den nahenden Tod wartet.
Mit dem endlich realisierten Besuch der Lotsenstation endet auch sein Leben, und im Übergang zwischen Diesseits und Jenseits sieht er die Lotsenstation als seine wahre Heimat.
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