"Blunzn, Graukas, Zwetschkenröster"

Ein literarisches Menü
 

 

Wer aufgrund des Untertitels meint, hier gehe es in erster Linie um literarische Texte, die nur unter dem kulinarischen Begriff des "Menüs" zuammengefasst worden sind, irrt. Hier geht es wirklich in erster Linie ums Essen und Trinken! Dreiunddreißig österreichische Autoren aus verschiedenen Epochen - von Peter Altenberg über H.C. Artmann, Ernst Jandl, Alfred Komarek, Joseph Roth, Helmut Qualtinger bis hin zu O.P. Zier - haben auf verschiedene literarische Weise die Freuden und Leiden der Nahrungsaufnahme beschrieben.

Das Ganze ist in Form einer Speisekarte geordnet. Werden die Suppen noch nahezu konventionell in Form formal aufgewerteter Rezepte dargereicht, geht es bei dem Zwischengericht "Für den kleinen Hunger zwischendurch" - literarisch schon deftiger und ausführlicher zu, so bei der "Kärntner Brettljause mit Glundner Käse" von Alois Brandtstetter.

Die "Menüs" führen uns dann vom "mitteleuro- päischen Abendmahl" - ein Sittenbild der Wienerstadt - über ein Wiener Festtagsmenü zu einem "Kärntner Menü" von Alois Brandstetter. Da werden nicht nur die Speisen sondern auch die Lebensart und der gesellschaftliche Hintergrund der Zeit geschildert, meist mit leiser Ironie gewürzt.

Weiter geht es mit den Hauptspeisen - unter anderem dem Tafelspitz aus Josef Roths "Radetzkymarsch" und Alfred Polgars Essay über "Das gute Essen" - und schließlich zu den gerade von den männlichen Lesern sehnsüchtig erwarteten Süßspeisen - Powidl von Peter Altenberg, Buchteln von Ernst Jandl, die unvermeidliche Sachertorte von Friedrich Torberg und der Apfelstrudel von Trude Merzik.

Weiter geht es Speichel fördernd mit Kaiserschmarrn und Salzburger Nockelrn (Torberg) bis hin zu dem Faschingskrapfen (Theodor Kramer), bis sich die restlichen Autoren im Kapitel "Weine und Schnäpse" dem Delirium hingeben.

Das Ganze ist noch mit einem Register österreichischer kulinarischer Ausdrücke angereichert und weckt wahrhaftig die Lust auf österreichische Kost. Wer Probleme mit den Kalorien hat, sollte dieses Buch nur sehr dosiert lesen.

Es ist im Verlag Otto Müller unter der ISBN 3-7013-1030-0 erschienen und wird allen Gourmets empfohlen.