| John Grisham: "Die Bruderschaft" |
| Thriller um Erpressung und Wahlmanipulationen | |
John Grisham ist bekannt für konfektionierte, aber spannende Thriller über
aktuelle Themen. In dem neuen Roman "Die Bruderschaft" thematisiert er die Art
und Weise, wie in den USA Präsidenten "gemacht" werden, und mit welchen
privaten Eigen- arten man dort prominente Personen erpressen kann. Drei ehemals angesehene Richter sitzen in einem
Bundesgefängnis in Florida ein, ohne jegliche Chance, je wieder die gesellschaftliche
Stellung und den Wohlstand früherer Jahre zurück zu erlan- gen, die sie durch eigenes
Verschulden verloren haben. Doch als Menschen- und Kriminalitätsken- ner haben sie Ideen
entwickelt, wie sie sich an der Gesellschaft rächen und gleichzeitig für die Zeit nach
der Entlassung vorsorgen können. Mit einer kleinen Anzeige in einem Kontaktmagazin tarnen
sie sich als attraktiver junger Mann, der in einer Entziehungsanstalt sitzt und nach
Freunden sucht, die ihn nach der Entlassung stützen. Das bei- gefügte attraktive Foto
soll die richtigen Männer anlocken.... In einer Parallelhandlung baut der gelähmte und verbitterte
CIA-Chef einen unbekannten Angeordne- ten zum Präsidentschaftskandidaten auf. Als
"Message" dient der dank radikal gekürzter Bud- gets angeblich skandalöse
Niedergang der US-Ver- teidigung und die Bedrohung durch einen angeb- lich
bevorstehenden neo-kommunistischen Putsch und massive geheime Aufrüstung in Russland. Der
Abgeordnete Aaron Lake fühlt sich wie im sieben- ten Himmel, als der CIA alle Geldquellen
der Rüs- tungsindustrie sprudeln lässt und ihn generalstabs- mäßig mit massiver
Werbung von einem Wahl- triumph zum nächsten bei der Kandidatenauswahl jagt. Währenddessen "zocken" die drei Richter mit Hilfe
eines verschiedene wohlhabende Homosexuelle ab, die sich unvorsichtigerweise auf die
Kontaktanzeige gemeldet haben. Nur die relative hohe "Gewinn- beteiligung" des
versoffenen Anwalts ist ihnen ein Dorn im Auge, vor allem, da er als
"Treuhänder" oberdrein Zugang zu ihren Konten hat.... Beide Handlungsstänge verweben sich dadurch miteinander,
dass auch der so hoffnungsfrohe Prä- sidentschaftskandidat auf die Anzeige geantwortet
hat, ohne dass die CIA-Kundschafter dies mitbe- kommen haben. Als der CIA-Chef dies
schließlich mitbekommt, haben auch die drei Richter bereits den dicken Fisch
"gerochen" und sehen darin natürlich die Chance auf baldige Freiheit
und Wohlstand.
Da sich in Grishams Romanen die dramati- sche Entwicklung nie zwangsläufig aus den Charakteren oder Handlung ergibt, muss der Zufall her, um das Karussell in Gang zu set- zen. So auch hier, und damit kann der ab- schließende Showdown beginnen.
"Die Bruderschaft" ist wie die meisten US- Thriller professionell und dicht am Erwartungs- horizont des Massenpublikums geschrieben. Die Charaktere sind von vornherein festgelegt und folgen klaren Mustern. Komplexe Persön- lichkeitsstrukturen sucht man vergeblich, und persönliche Entwicklungen machen die Per- sonen schon gar nicht durch. Sie sind einfach zu verstehen und schnell konsumierbar. Der Leser kann sich von den Bösewichtern jeder- zeit distanzieren. Richtig "gute" Menschen gibt es allerdings in diesem Buch nicht, alle haben irgendwo "Dreck am Stecken". Grisham schafft es jedoch, eine ambivalente Situation zu schaffen. Freunde einer starken Armee können den CIA-Chef als positive Figur sehen, Pazifisten ihn jedoch gleichzeitig als faschistoiden Kriegstreiber charakterisiert sehen. Die rein sachliche Charakterbeschrei- bung erlaubt beides und liefert jeder Weltan- schauung das passende Muster.
Wer jedoch für den Strand noch ein unterhalt- sames und teilweise auch kritisches Buch benötigt, der ist mit diesem Roman bestimmt nicht schlecht bedient.
Der Roman ist im Heyne-Verlag unter der ISBN 3-453-18593-5 erschienen und kostet 46,- DM.
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