Juan Miñana: "Nachrichten aus der wirklichen Welt"

Ein nostalgischer Rückblick in die Filmgeschichte
 

 

Ein Schwachpunkt vieler Romane liegt in dem unzureichenden Gehalt der Idee. Oft erzählt der Autor über zweihundert Seiten eine zügige und geschlossene Geschichte und verfällt dann in zer- fasernde Abschweifungen, da das Buch nun mal dreihundert Seiten umfassen muss. In dem vorlie- genden Roman von Juan Miñana beherrscht dieses Problem die Geschichte von der ersten Seite an.

Im Franco-Spanien des Jahres 1963 hat sich der junge Gabriel eine Stelle als Hilfsassistent bei der Produktion eines spanisch-amerikanischen Filmes mit Stars wie John Wayne, Rita Hayworth und Claudia Cardinale ergattern können. Mit seinem von Hause aus dem Film-Metier nahe stehenden Freund Teddy bewundert er die Stars und leistet allerlei Hilftätigkeiten, bis eines Morgens das Chaos ausbricht: ausgerechnet am teuersten Dreh- tag, an dem ein teures Schiff auf seine spektaku- läre Versenkung und Hunderte von Komparsen auf ihren EInsatz warten - erscheint John Wayne nicht am Set. Seine Kollegin RIta Hayworth zeigt deu- liche Zeichen einer schweren Nacht, weiß aber angeblich nichts über den Verbleib des Western- Helden. Bald schwärmen alle aus, um John Wayne zu suchen, und die beiden jungen Männer fühlen sich durch die ausgelobte Belohnung motiviert, auf eigene Faust nach dem Star zu suchen. Auf ihrer Suche durch die Straßen und Vororte Barcelonas verfolgen sie den Weg der feierlustigen Schauspie- ler am Vorabend und kommen schließlich auch John Waynes nächtlichen Aufenthalt auf die Spur.

Das Thema weist durchaus seinen eigenen Charme auf, nur hat der Autor hier leider mit dem Problem zu kämpfen, Gestalten des realen Lebens in einen romanhaften Handlungsrahmen zu zwängen. Das macht es ihm unmöglich, beliebig spektakuläre oder spannende Handlungsabläufe zu erfinden, auch wenn sich das Buch "Roman" nennt. Das hat dann zur Folge, dass die Geschichte ohne jegliche Pointe endet und auch die Ereignisse während des Abends und während der Recherche nicht gerade vor Originalität und Spannung strotzen. Miñana versucht dieses Manko durch Schilderungen der Umgebung und speziell des Schauspieler- und Film-Ambientes auszugleichen. Das endet leider mehr oder weniger in kolportagehaften Episoden, die oft verdächtig nach Regenbogenpresse klingen, auch wenn sie nicht deren kritiklose Bewunderung übernehmen.

Belanglos bleiben sie allemal. Und diese Belanglosigkeit erstreckt sich auf alle Schilde- rungen, seien es die nur in Randbemerkungen erwähnte Unterdrückung durch das Franco- Regime oder die Kritik am Star-Rummel, die Attitüden der Filmwelt oder die sozialen Slums der illegalen Immigranten. Der Autor plaudert so vor sich hin und charakterisiert zwischendurch Schauspieler, die höchstens noch der älteren Generation vertraut sind und nicht solche Ausnahme-Persönlichkeiten dar- stell(t)en, dass die Nachwelt gebannt ihren Lebensläufen folgen müsste.

Es ist auch einige EItelkeit und Koketterie des Autors im Spiel, der unter dem Deckmantel einer humoristischen Rückschau auf seine jugendlichen Blütenträume viel über sich selbst reden kann. Er tut dies zwar nicht mit penetranter Eitelkeit, dennoch lassen sich auch aus diesen Selbstschilderungen wenige Erkenntnisse gewinnen.

Wer ein leichtes Lesevergnügen ohne großen intellektuellen Aufwand und Nachwirkungen wünscht und sich für die Garde der Waynes und Hayworts interessiert, mag an diesem Buch durchaus einen gewissen Spaß finden.

Das Buch ist im Berlin-Verlag unter der ISBN 3-8270-0360-1 erschienen und kostet 18 €..