Guido Knopp: "Hitlers Frauen..und Marlene"

Die erotische Faszination des Bösen
 

 

Wie Adolf Hitler einem ganzen Volk und sogar dessen besseren Vertretern den Kopf - teilweise bis zum bitteren Ende - verdrehen konnten, ist in den letzten Jahrzehnten Gegenstand zahlloser Analy- sen und Dokumentationen gewesen. Diesem Schriftgut hat der Leiter der ZDF-Redaktion "Zeitgeschichte", Prof. Guido Knopp, jetzt eine Biografie der herausragenden weiblichen Anhänge- rinnen - und Gegenspielerinnen hinzugefügt. Dabei ging es ihm nicht um eine weitere psychologisch und historisch tief schürfende Analyse, sondern darum, das Leben und die Beweggründe der Frauen zu schildern, die Hitler von seinen politischen Anfängen bis zum bitteren Ende begleitet, unter- stützt und zum Teil auch beeinflusst haben.

Am Anfang steht natürlich Eva Braun, die meist verleugnete Geliebte, die er - laut Eva - nur "für bestimmte Dinge" brauchte und ansonsten nicht an dem offiziellen Leben teilnehmen ließ. Ihre einzige und finale Bevorzugung gegenübern anderen Frauen war der gemeinsame Freitod am Ende. Erst dadurch ist Eva Braun nach dem Kriege wohl auch in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt, denn eine politische oder gar machtbewusste Persönlich- keit war sie nie.

Da war Magda Goebbel aus völlig anderem Holz geschnitzt. Sie, den der selbst ernannte Ehe- Asket Hitler mit seiner demagogischen Wucht und seiner kompromisslosen Machtausübung faszi- nierte und erotisch anzog, nahm den Krüppel Goebbels nur zum Mann, um ihrem Idol stets nahe sein zu können - was ihr gelang. Ihm, Adolf, zuliebe spielte sie sogar die "Reichsübermutter" und schenkte dem ungeliebten und chronisch untreuen Gatten sogar sechs Kiner, die sie in  medusen- haften Konsequenz schließlich mit ins Grab nahm, um ihnen ein Leben nach Hitler zu ersparen.

Die Regisseurin Leni Riefenstahl schält sich in Knopps Charakterisierung als politische Opportunistin mit ausschließlichem Interesse am Filmgeschäft und -geschehen heraus. Damals meinte man offensichtlich als Frau noch, politische Ahnungslosigkeit und und das entsprechende Desinteresse guten Gewissens als sympathische Schwäche des weiblichen Geschlechts verkaufen zu können.

Winifred Wagner dagegen kommt als macht- und standesbewusste "Matrone" daher, die sich nach der Einheirat in den Wagner-Cklan schnell des Wertes ihrer Stellung bewusst war und auch die Wagner-Besessenheit des Nazi-Führers für ihre Zwecke zu nutzen wusste. Diese Frau wirkt vor allem deswegen so unappetitlich, weil sie bis an ihr Lebensende ihre persönliche Sympathie für den Menschen Hitler öffentlich ausdrückte und über dessen schmutzige politische Seite nur die Schultern zuckte. Sie konnte trennen und  war stolz darauf.

Die Schwedin Zarah Leander war eine weitere Nutznießerin des Nazi-Regimes. In- und Ausland waren fasziniert von dieser üppig-erotischen Frau mit der tiefen Stimme, und Hitlers Kultur-Propa- gandisten, allen voran Joseph Goebbels, wussten ihre Wirkung wohl zu schätzen.

Ihr selbst war nur das Geldver- dienen wichtig, und so blendete sie bis zu den Bombennächten 1943 alles Üble aus ihrem Gesichtsfeld aus. Dann setzte sie sich ab nach Schweden. Auch sie strotzte in der Nachkriegszeit nicht gerade vor Reue und hatte mal wieder "von nichts gewusst".

Bleibt Marlene Dietrich, die schon vor Hitlers Machtergreifung nach Amerika ging und allen Verlockungen und Angeboten aus Deutschland widerstand. Auch war ihre Ablehnung des Dritten Reihes durchaus politisch motiviert, was sie unter anderem durch ihren aktiven Einsatz als "kulturelle Soldatenbetreuerin" im Zweiten Weltkrieg bewies. Sie war wohl nie eine engagierte Widerständlerin. Wie sollte sie das auch im fernen Amerika geworden sein, aber sie zeigte von Anfang an eine instinktive Abneigung gegen das kulturelle und menschliche Banausentum der Nazis und blieb dieser Einstellung immer treu. Sie ist von den sechs geschilderten "Parade-Frauen" des Dritten Reiches die einzige, die der Verführung widerstanden hat.

Guido Knopp hat diese Biografien in einem sachlichen, dokumentarischen Stil verfasst und verzichtet weitgehend auf verspätete Zeigefinger-Moral. Ihn faszinieren besonders die starken Frauen und die Beweggründe für ihre Haltung Hitler und seiner Umgebung gegenüber. Damit liefert er auch ein Stück Aufklärung über das Wesen von totalitären und demagogischen Systemen und Anführern sowie ihre "subkutane" sprich erotische Wirkung auf das andere Geschlecht. Bei seinen nichts beschönigenden Darstellungen bleibt jedoch stets zwischen den Zeilen die Einschränkung ".... der werfe den ersten Stein".

Das Buch ist im Verlag C. Bertelsmann unter der ISBN 3-750-00362-0 erschienen und umfasst etwa 400 Seiten.