| Yves Coppens: "Lucys Knie" |
| Spuren suche nach den Anfängen der Menschheit | |
Dass der Menschen vom Affen, oder, vornehmer ausgedrückt, von den Primaten abstammt, ist für uns heute eine Allerweltsweisheit, einmal abgese- hen von einigen Ortschaften im Mittelwesten der USA. Jedoch noch vor nicht allzu langer Zeit, genau genommen noch zur Mitte des vergangenen Jahr- hunderts, konnten sich selbst gestandene Wissen- schaftler nicht mit der Vorstellung abfinden, der "homo sapiens" habe sich langsam aber stetig aus der Gattung der - entfernt - menschenähnlichen Baumbewohner entwickelt. Die affenähnlichen Wesen aus der Frühzeit der belebten Welt waren für sie Sackgassen der Evolution, und der Mensch hatte schon seit seinen Ursprüngen mehr oder minder seine heutige Gestalt und verfügte über entsprechende intellektuelle Gaben. Nur, positive Beweise für diese die Eitelkeit der Menschen bestätigende Theorie gab es nicht, dafür zuneh- mend solche für das unerwünschte Gegeteil.
Als 1974 eine Forschergruppe im südöstlichen Afrika die Skelettreste eines frühen Hominiden fanden, erkannten sie noch nicht die Sprengkraft dieser Entdeckung. Doch nach der Auswertung der Knochenfunde ergab sich nicht nur ein Alter von dreieinhalb Milionen Jahren, sondern darüber hinaus zeigte das Skelett auch deutliche Zeichen des Übergangs von typischem Bewegungsablauf der Baumbewohner zu einer aufrechten Lebens- weise auf zwei Beinen. Man war sich bald klar darüber, dass der aufrechte Gang durch die zuneh- mende Trockenheit erforderlich geworden war, da die Wälder nicht mehr genügend natürliche Nah- rung hergaben und deshalb lange Wanderungen durch die Steppe auf der Suche nach neuer und, notgedrungen, anders gearteter Nahrung nötig waren. Da die neue Nahrungskette andere, aktivere Handlungen erforderten, entwickelte sich im Rah- men dieser evolutionären Umstellung auch das Gehirn weiter.
Das Skelett gehörte zu einer kleinen und noch jungen Frau, und in einer Mischung aus For- scherstolz und Rührung nannten die Entdec- ker das Mädchen "Lucy". Und das Knie dieser Lucy gab dabei aufschlussreiche Auskünfte über die neue Lebensweise der frühen Men- schen.
Der Franzose Yves Coppens schildert nicht nur die Geschichte Lucys anschaulich und unterhaltsam, er führt die Leser auch in die Welt der Paläontologie ein, ihre Erfolge und Enttäuschungen, ihre Irrwege und Durch- brüche. Der Leser lernt die verschiedenen Zweige der menschlichen Entwicklungen kennen, erfährt, dass Afrika die Wiege der Menschheit war, und erhält auch Einblick in den immerwährenden Streit der Wissen- schaftler, die auch nur Menschen sind.....
Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch- verlag (dtv) in der Reihe "Premium" unter der ISBN 3-423-24297-3 erschienen und kostet 13 €.
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