| Yasmina Khadra: "Herbst der Chimären" |
| Ein neuer Kriminalroman des algerischen Erfolgsautors | |
Mit seinem neuen Roman "Herbst der Chimären" erlaubt der unter dem weiblichen Pseudonym Yasmina Khadra schreibende Autor westlichen Lesern erneut einen Blick in das vom Bürgerkrieg gemarterte Algerien. Es ist weniger ein Kriminalroman im Sinne Agatha Christies, der dem Verbrechen die Lösung folgen lässt, sondern vielmehr eine Literatur der Krisen- zeit, die Ausweglosigkeit und Resignation ausdrückt. Ermittlungen der Polizeiorgane können nur noch Teillösungen präsentieren. Die eigentlichen Drahtzieher der Todesschwadrone sind zwar bekannt, aber das gesamte politische System ist so korrupt, dass die Übeltäter nicht mehr gefasst werden können.
So verwunderrt es auch nicht, dass Kommissar Llob, dessen schriftstellerische Arbeiten über das kranke Algerien sich bereits herumgesprochen haben, im eigenen Land nur auf Gegner stößt. Das geht schließ- lich so weit, dass er sogar vom Dienst suspendiert wird. Gerade weil er gute Arbeit leistet, ist er vielen unbequem geworden. Da er nicht käuflich ist, muss er kaltgestellt werden.
Nach der Suspendierung trachtet man ihm daher nach dem Leben und zertrümmert seine gesamte Woh- nungseinrichtung. Llob wirkt nach diesen Ereignissen noch zynischer - fast schon gebrochen. Es bleibt kaum noch jemand, den er als Freund bezeichnen kann. Der einstige Jäger wird zum Gejagten.
Yasmina Khadra setzt den undurchsichtigen Algerien- konflikt in Romanform und lässt Llob seine ausweglose Lage schildern, in der er seine eigentlichen Gegner nicht kennt. Kurze, knappe Sätze, schnelle Denk- ansätze und ein nervöser Schreibstil charakterisieren den Roman, so wie Kriegsberichterstatter noch schnell ein paar Zeilen "herunterhacken".
Die Opfer der Anschläge werden knapp charakte- risiert, so dass der Leser ein Foto in Schriftform vom Tathergang erhält. Khadra lässt mit seinem neuen Roman - oder sollte man besser sagen "Kriegsbericht aus Algerien" - eindrucksvolle BIlder nach außen dringen und das geschlagene Algerien nicht in Vergessenheit geraten.
Wir wünschen dem Autor eine breite Leser- schaft, ist er doch eine der wenigen Stimmen, die mittels Literatur über die täglichen Gräuel- taten in Algerien berichten. Pressefreiheit gibt es in diesem Lande schon lange nicht mehr, und ausländische Berichterstatter werden nicht ins Land gelassen. Nur deshalb ist es so still um Algerien geworden.
Das Buch ist im Haymon-Verlag unter der ISBN 3-85218-358-8 erschienen und umfasst 157 Seiten.
|