| Ketil Bjørnstad: "Der Tanz des Lebens" |
| Roman über die Unfähigkeit mit Würde zu altern | |
Der Protagonist dieses Romans, Ludwig Hassel, hat Kunstgeschichte
studiert und ist Hauptkustos an der Nationalgalerie in Oslo. Er hat die besten Jahre schon
hinter sich und zieht als Mittfünfziger die Bilanz seines Lebens. Die erträumte Karriere
hat er nicht erreicht, seine Ehe ist geschieden, und die beiden Kinder Cathrine und Paul
sind nicht so geraten, wie er es gerne hätte. Die Tochter hat bereits einen
Selbstmordversuch hinter sich, der Sohn ist labil und schwach. Hassels Geliebte Anne-Beth
ist gerade mal gut für ein wenig Erotik, ansonsten geht sie ihm auf die Nerven mit ihrem
dauernden Wunsch nach einer festen Beziehung. Was für ein Mensch ist dieser Ludwig Hassel? Er ist
desillusioniert und zynisch. Das Einzige, was ihn wirklich reizt, sind junge, gut
aussehende Frau- en, und da schreckt er vor nichts zurück. Selbst Anja, die fabelhaft
aussehende Freundin seines Sohnes, erweckt in ihm die Lust auf Eroberung. Die junge Frau
ist Skifliegerin, also mutig und stark, wenn sie mit 110 Stundenkilometern durch die Luft
fliegt. Hassel hat dieses Bild ständig vor Augen, und sein Begehren nach dieser Frau wird
immer zwingender. Als Anja Paul verlässt, riskiert Hassel alles.... Ketil Bjørnstad erzählt diesen Roman aus der Sicht Ludwig
Hassels, der versucht, dem Abstieg ins Alter zu entrinnen. Er führt - wie es der Titel
ausdrückt - einen Tanz des Lebens auf: Alt gegen Jung, Stark gegen Schwach.
Hassel ist auf der Verliererseite, doch mit seiner Selbstüberschätzung baut er sich immer wieder ein Überlegenheitsgefühl auf, das sogar Mord als Mittel zum Zweck heiligt. Wer sich ihm nicht unterwirft, wird gnadenlos liquidiert. Doch getreu dem Darwinschen Ge- setz überleben am Ende die wirklich Starken.
"Der Tanz des Lebens" ist ein ebenso packen- der wie desillusionierender Roman über das Altern mit kriminalistischen Momenten.
Das Buch ist im Insel-Verlag unter der ISBN 3-458-17097-9 erschienen und umfasst 278 Seiten.
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