Andrzey Stasiuk: "Galizische Geschichten"

Geschichten über eine vergessene Region
 

 

Andrzey Stasiuk, Autor des Bandes "", schreibt Erzählungen über menschliche Schicksale in Südpolen nach der politischen Wende Anfang der 90er Jahre. Das einst so geregelte System ist zusammengebrochen, und eine Neuorientierung der Menschen steht noch aus. Vorerst wurschtelt jeder so weiter wie gewohnt, als ob man die neue Zeit nicht wahrhaben wollte. Die Alten sind dageblieben. Herr Lewandowski beispiels- weise sitzt im ungeheizten Wohnzimmer vor dem Foto seiner Frau. Nur noch seine Kuh und sein Pferd zwingen ihn morgens aufzustehen; seinen  Frust ertränkt er im Alkohol. Ein Traum ist ihm geblieben: Warschau. Dort möchte er hin, und um sich den Traum selbst als realisierbar hinzustellen, zählt er eine lange Liste Warschauer Straßennamen auf.

Gibt es in diesem Leben noch Vergnügen? Vielleicht das Tauschen von Kassetten mit "Erotic Dreams", "Pleasure principle", denn man muss doch leben....

Stasiuk hat das Leben in Galizien, dieser ärmsten und rückständigsten Region Polens, aufgespürt. Er ließ sich in Gasthäusern, Autowerkstätten und an Bushaltestellen Geschichten erzählen und hat sie in diesem Band mit anderen Erzählungen zusammen- gefasst. Sie zeichnen ein trauriges Bild: Resignation und Alkohol regieren ein trübsinniges Leben. "Soweit der Blick reichte, nur verwilderte Wiesen. Im Frühjahr wurden sie bunt von Blumen, dann waren sie lange rötlich, bis sie im November ganz grau wurden. Und die Wachholdersträucher - so steif, dass der stärkste Wind sie nicht biegen konnte" (Zitat). So wie sich die Natur dieser Landschaft angepasst hat, ist auch der Mensch eine Symbiose mit all dieser Unbill eingegangen.

Stasiuks Geschichten leben von einer kraft- vollen, prägnanten Sprache, die mit staunender Ironie die Menschen Galiziens begleitet.

Das Buch ist im Suhrkamp-Verlag unter der ISBN 3-518-41370-8 erschienen und umfasst 130 Seiten.