Kurt Lanthaler: "Napule"

Kriminalistische Liebeserklärung an Neapel
 

 

Tschonnie Tschenett ist das, was man landläufig einen Verlierer - oder Aussteiger - nennt. Nach einer wenig glücklichen "Karriere" als Fernfahrer hat er schließlich auch den Seemansberuf an den Nagel gehängt und lebt in einer griechischen Hafenstadt. Eines Tages jedoch zieht es ihn wieder auf See und er landet auf einem alten, rostigen Kahn in Neapel, wo er seinen alten Freund Toto, einen Kriminalpolizisten aus Norditalien, und dessen Kollegen Ciro, trifft, die dort an einem Kongress teilnehmen. Unfreiwillig gerät Tschenett in ein typisch neapolitanisches Komplott mit undurchsichtigem Hintergrund, wobei er die neapolitanische Lebens- und Denkungsart gründlich kennen. Nach anfänglichem Austausch gemeinsamer Lebenserinnerungen und einem Ausflug zusammen mit Ciros Freundin Angelica und deren Tocher verschwindet das junge Mädchen nach einer angekündigten Demonstration gegen die Willkür der Polizei, und Tschonnie hat sie als letzter gesehen.

Nun gewinnt die beschauliche Tour durch  Neapel an Tempo. Die um das Leben ihrer Tochter fürchtende Angelica mischt das Männertrio gründlich auf und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihre Tochter wieder zu bekommen. Dabei kommen einige unange- nehme Wahrheiten über Neapel, seine Bewohner und die Polizei ans Tageslicht. Tschonnie kann das Geschehen als orts- und landesfremder Besucher nur als staunender Zuschauer begleiten und ist froh, als sich die Entführung schließlich auf typisch neapolita- nische Weise klärt.

Der Südtiroler Kurt Lanthaler hat in diesem "Soft"-Krimi Neapel und seine Atmosphäre plastisch und glaubwürdig wiedergegeben. Eigentlich ist das Buch eher eine Milieuschilde- rung, die durch eine nicht zu dramatische Kriminalstpry aufgelockert wird. Der heute so beliebte cool-witzige Grundton herrscht auch in diesem Roman, bleibt jedoch erträglich. Alles in allem ein unterhaltsames Buch über eine abwechslungsreiche und dynamische Stadt.

Das Buch ist im Haymon-Verlag unter der ISBN 3-518-41370-8 erschienen und umfasst 130 Seiten.