Elke Heidenreich/Bernd Schröder: "Rudernde Hunde"

Erzählungen über die Wechselfälle des Lebens
 

 

Elke Heidenreich war den Deutschen lange Zeit nur als Else Stratmann, die schlagfertige Frau aus dem Ruhrgebiet, bekannt, bevor sie sich als Autorin einen Namen machte. Der etwa gleichaltrige Bernd Schröder hat sich bereits als Autor verschiedener Hör- und Fernsehspiele bewährt. In dem vorliegenden Band haben die beiden eine Reihe von Erzählungen veröffentlicht, die immer wieder von den so genannten "kleinen Leuten" im Revier handeln.

Die kurzen Geschichten sind selten spektakulär, meist eher etwas melancholisch oder auch einmal verhalten ironisch, selten bissig, nie bösartig. Beide verbindet eine genaue Beobachtung ihrer Mitmen- schen und des Alltags in den Vorstädten und Siedlun- gen. Abgesehen von der Titelgeschichte, die ein wenig den Hauch eines literarischer Klischees ver- breitet, wenn der chaotische (natürlich liebenswerte) Mann über den ordentlichen (sprich: pedantischen) Mann obsiegt, kommen die meisten Erzählungen ohne jeden moralischen Zeigefinger oder dick aufge- tragene Lebensregeln aus.

Da wird das Schicksal der seelisch verkümmten Witwe geschildert, die den einzigen späten Verehrer vertreibt, weil dieser nach langer Werbezeit etwas mehr an Zärtlichkeit möchte; oder die Rückschau  einer Frau, der die gerade verstorbene Mutter das eigene Leben aus einer Art mütterlichem Egoismus geraubt hat. Da ist andererseits die herrliche Erzäh- lung von dem Hund des Tänzers Nurejew, der nach dem Tode seines Herrchens eines Tage anfing zu tanzen, und da ist die amüsante Geschichte von dem Mann, der sich ein Huhn kaufte, es aber nicht schlachten konnte. Eine andere Erzählung beschäf- tigt sich selbstironisch mit der allgegenwärigen IKEA Kette, und wieder eine andere handelt von einem ein- samen Rentner und seine missverständliche Bezie- hung zu einer chinesischen Wäscherei.

Die Geschichten der beiden Autoren wechseln sich ab, und wer nicht im Register nachsehen will, welche Geschichte von wem ist, kann dies meistens am Geschlecht der Hauptperson fest- stellen, die in Form einer subjektiven Rückblende des Autors bzw. der Autorin immer enthalten ist.

Das sind nur Beispiele für die Art der Erzählun- gen, die ein Schlaglicht auf die Durchschnitts- menschen der heutigen Zeit werfen. Meist sind es liebenswerte Menschen, trotz ihrer Schwä- chen, Sehnsüchte und Verklemmungen. Bei manchen Geschichten steigt Mitleid auf, bei anderen Melancholie, bei wieder anderen Schmunzeln. Als Lektüre für den Nachttisch vor dem Einschlafen oder für eine längere Zugfahrt eignet sich dieser Sammelband durchaus.

Das Buch ist im Hanser-Verlag unter der ISBN 3-446-20213-7 erschienen und kostet 15,90 €.