| Chinua Achebe: "Termitenhügel in der Savanne" |
| Roman über die Umbrüche im heutigen Afrika | |
Anlässlich der
Verleihung des "Friedenspreises des Deutschen Buchhandels" an den Nigerianer
Chinua Achebe hat der Suhrkamp-Verlag den Roman des Preisträgers aus dem Jahr 1987 neu
aufgelegt, nun mit einem Hinweis auf die Preisverleihung. Achebe schildert in diesem Roman die politischen Zustände im
Nigeria der späten 80er Jahre. Obwohl er das Land nicht namentlich erwähnt und die
Handlung in den fiktiven Staat Kangan verlegt, sind die Ähnlich- keiten nicht zufällig.
Durch die Anonymisierung von Ort und Personen vermeidet er weniger eventuelle Repressalien
- die kommen sowieso - als vielmehr Reibungen seiner Fiktion an einer gegebenen Realität. Nach einem Militärputsch regiert ein Zögling der briti-
schen Offiziersschulen das Land. Seine ehemaligen Schulkameraden und früheren Freunde
Christopher und Ikem - beide ebenfalls gebürtige "Kanganianer" - bekleiden hohe
Posten in der Regierung und Presse. Doch der Schein trügt: das Kabinett des Staatspräsi-
denten besteht nur aus macht- und mutlosen Jasa- gern und Speichelleckern. Nur Christopher
wagt von Zeit zu Zeit Widerspruch, zieht sich dadurch jedoch den zunehmenden Unwillen des
Potentaten zu. Ebenso geht es Ikem, dem Chefredakteur der führen- den Zeitung des Landes,
der mutig die Missstände in dem von einem Despoten regierten Land anprangert, seinen
Stuhl damit jedoch zu einem Schleudersitz macht. Und jeder weiß, dass Karrieren hier
nicht - wie im Westen - mit einer guten Abfindung und einem vorgezogenen Ruhestand enden,
sondern einen Meter unter der Erde. So wandeln die beiden ehemaligen Freunde des
Potentaten auf einem Kraterrand, immer in der Hoffnung, etwas ändern zu können, und
immer in der Furcht, beseitigt zu werden. Ihre Freundinnen, starke und selbstbewusste
Frauen, helfen Ihnen so gut sie können, fürchten aber um Sie. Die Situation eskaliert wie erwartet, der Schlag kommt jedoch
nicht von dem Ex-Freund, sondern vom Geheimdienst, der erst den Präsidenten wegputscht
und sich dann an die Beseitigung der anderen Quer- köpfe macht. Am Ende steht ein noch
gnadenloserer Polizeistaat mit kompromisslosen aber ungebildeten Anführern ohne eine
ernst zu nehmende Opposition. Nur das Kind, das Ikems Freundin zur Welt bringt, steht für
den Glauben an eine bessere Zukunft.
Chinua Achebe hat mit diesem Roman eine genau beobachtete Milieustudie eines Landes im Umbruch verfasst und sie soweit möglich mit Lokalkolorit angereichert. Bei aller politischen Glaubwürdigkeit und allem Engagement liegt hier jedoch auch die Schwäche des Buches. Es ist eigentlich aus dem Blickwinkel eines im Westen erzogenen Intellektuellen geschrieben, der selbst noch den unterkühlten Humor und das typische Understatement des Briten nach Nigeria bringt. Da wirken dann die Einschübe afrikanischer Mythen und Traditionen fast schon wie aufge- setzte Folklore. Die gesamte Mentalität des Buches bleibt britisch, auch wenn es von Afri- kanern in Afrika handelt. Die Frauen sind eine Idee zu stark, selbstbewusst und Intelligent, eben so, wie sie sich eine feministische Presse ersehnt, aber nicht unbedingt repräsentativ für die Realität. Dennoch vermittelt das Buch einen guten Eindruck von der labilen Situation in vielen afrikanischen Ländern, die noch nicht die Trans- formation von einer fremdgesteuerten Kolonie zum selbstständigen Staat hinter sich gebracht haben.
Das Taschenbuch ist in der Edition Suhr- kamp unter der ISBN 3-518-11581-6 erschienen und kostet 11,00 €.
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