| Willem Frederik Hermans: "Au Pair" |
| Eine junge Frau als Spielball fragwürdiger Interessen | |
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Die "Au Pair"-Vermittlung der Universität gibt ihr die Adresse einer Familie, die für Kost und Logis ein junges Mädchen sucht, das stundenweise den pubertierenden Sohn betreut. Doch der Job stellt sich bald wegen der katastrophalen Unterbringung und verschiedener dubioser Vorgänge in dem Haus als unannehmbar heraus, und so lässt sich Paulina auf einen zweiten Versuch als Au-Pair-Mädchen ein.
Dieses Mal scheint alles zum Besten zu stehen. Sie bekommt ein hübsches Zimmer, wird mit Geschenken überhäuft und muss dafür nur etwas Kommunikation mit einem alten General und dessen Familie pflegen.
Anfangs ist Paulina noch misstrauisch, denn die Mitglieder dieser reichen Familie sind alle etwas außergewöhnlich, und oft kommt sie sich wie deren Betreuerin vor. Doch eines Tages trägt die Familie einen Wunsch an Paulina heran, der für das junge Mädchen ein hohes Risiko darstellt....
Der Roman "Au Pair" ist von einer latenten, drohenden Spannung geprägt, die den Leser auf eine
ungewöhnliche Reise durch Paris mitnimmt. Dabei wird die frag- würdige Vergangenheit des arrivierten Bürgertums
entlarvt, alte Rechnungen werden präsentiert und Schuldgefühle durch vermeintlich gute Taten kompensiert.
Der Autor, von dem wir an dieser Stelle bereits den Roman "Das Dunkelzimmer des
Damokles" besprochen haben, beschreibt aber auch den Reifeprozess eines jungen Mädchens, das durch ihre Gutgläubigkeit in gefährliche Situationen gerät. Obwohl die Auflösung der rätselhaften Vorgänge etwas konstruiert erscheint, bietet dieser Roman ein suggestives Leseerlebnis.
Das Buch ist im Verlag Gustav Kiepenheuer unter der ISBN 3-378-00650-1 erschienen und kostet 19,90 €.
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