| Freimut Hauk: "Lust an der Erkenntnis" |
| Eine Streifzug durch die Geschichte der Philosophie | |
|
Wer als "Normal-Sterblicher" an Philosophie denkt, assoziiert damit oft komplizierte und weit gehend unverständliche Freimut Hauk, Jahrgang 1939, gibt in seinem Buch eine Übersicht über die Entwicklung der Philosophie, ihre wichtigsten Vertreter und ihre zentralen Theorien und Lösungsansätze. Nun vermutet der des philosophischen Denkens unkundige Leser a priori nicht, dass auch die Philosophie einer Entwicklung wie die Naturwissenschaften unterliegt. Die Aura des Ewigen und Unveränderlichen, dass sich über den Alltag des Menschen erhebt, wird dabei gar zu gern von den Vertretern der Zunft gepflegt. Doch bei der Lektüre dieses Buchs erfährt er, wie die einzelnen Generation und Schulen von Philosophen aufeinander aufbauten, die jeweiligen Vorgänger scharfsinnig widerlegten, nur, um dann selber in die nächste logische Sackgasse zu laufen, die ihre Nachfolger als solche identifizieren würden. Hauk beginnt bei Parmenides und seinem sophistisch anmutendem "Seins"-Begriff, folgt Demokrit auf seiner dem Weltlichen zugewandten und letztlich doch erfolglosen Suche nach dem kleinsten und unteilbaren Baustein der Wirklichkeit, dem Atomos, führt uns weiter zu Platons Lehre von den immerwährenden, absoluten Ideen und seinem Höhlengleichnis, um mit dem pragmatischen Empirismus des Aristoteles die griechische Antike abzuschließen. Die Neuzeit leitet er mit Descartes "Cogito, ergo sum" und dessen so listigem wie zirkulärem Gottesbeweis ein, um dann auf diesen den illusionslosen Skeptiker Hume loszulassen, der die Möglichkeit der Erkenntnis schlichtweg ignoriert und alles entsprechende Streben ad absurdum führt. Erst Kant findet mit seinen Betrachtungen zur "reinen" und zur "praktischen" Vernunft zurück zu einem positiven Erkenntnismodell und definiert als einzige absolute Bezugspunkte Raum und Zeit. Der darauf aufbauende Hegel steigert Kant zur absoluten Dominanz des Geistes über die materielle Substanz ("Das Bewusstsein prägt das sein") und findet in den Idealisten der deutschen Romantik apotheotische Nachfolger. Von dieser immer dicht am Metaphysischen agierenden Geisteswelt führt der Weg zielstrebig in ein desillusioniertes 20. Jahrhunderts, das jedoch nicht dem zynischen Skeptizismus eines Hume verfällt, sondern mit Wittgenstein einen der ersten und prominentesten Vertreter einer neuen, intellektuell und naturwissenschaftlich orientierten Schule präsentiert, die vor allem die menschliche Sprache als wesentliches weil einziges Mittel der Formulierung und der Kommunikation in den Mittelpunkt der erkenntnistheoretischen Betrachtungen stellt und befindet, dass die Grenzen der Sprache auch die Grenzen der Erkenntnis darstellen. Dabei schildert Hauk anschaulich die aporetischen Aspekte der Grenzziehung zum Transzendenten, das Maß menschlicher Erkenntnis Übersteigenden, holt Popper nachträglich aus der unverdienten Ecke eines "falschen" Positivisten heraus, in die ihn vor allem die Frankfurter Schule geschickt hatte, und endet sein Buch mit den unausgesprochenen Feststellungen eines Schriftstellerkollegen: "Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor" und " Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen". Auf die Gefahr einer zitatsüchtigen Verkürzung von Philosophie auf diese beiden Sätze lässt sich doch sagen, dass sie das Hintergrundrauschen dieser Wissenschaft über drei Jahrtausende bilden. Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) unter der ISBN 3-423-34044-4 erschienen und kostet 10 Euro. |