| Horst Möller: "Die Weimarer Republik" |
| Dokumentation einer unvollendeten Demokratie | |
Die
Weimarer Republik, entstanden im November 1918 nach der
"Matrosen-Revolution" und beendet durch den halb legalen
"Staatsstreich" von Adolf Hitler, fristet in der Geschichte in
gewisser Weise ein "Mauerblümchendasein" zwischen den beiden
spektakulären Katastrophen des Jahrhunderts.
Möller wendet viel Mühe und Detailarbeit bei der Entstehungszeit auf, das Ende des Weltkrieges, die Stellung des - geschlagenen - Militärs und seiner vergangener Größe nachtrauernden Führer, die Grabenkämpfe zwischen Kommunisten, Monarchisten, Reformern und Traditionalisten. Diese Zeit ist wohl auch die spannendste gewesen, da hier Weichen gestellt wurden, die genau so gut auch anders hätten ausgerichtet sein können. Die Zeit von 1923 bis 1929 wird etwas knapper abgehandelt, wohl auch, weil hier eine gewisse Stabilität herrschte, soweit man davon angesichts der zersplitterten Machtverhältnisse in einem Vielparteiensystem überhaupt reden kann. Stresemann nimmt in dieser Phase einen hohen Stellenwert ein. Das Ende der Republik nimmt dann nur noch etwa dreißig Seiten in Anspruch, aber das ist dann auch schon fast die beginnende Geschichte des Dritten Reiches. Möller kommt es vor allem auf die politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und auch kulturelle Entwicklung während der angeblich "goldenen" Zwanziger an, und die beschreibt er mit fundierter Kenntnis und viel Detailwissen. Bisweilen wirkt das Zahlenwesen - so bei Wahlen und Statistiken - etwas ermüdend, aber das muss man bei einem Buch mit wissenschaftlichem Anspruch wohl hinnehmen. Angenehm fällt auf, dass der Autor sich überwiegend eines eingängigen Stils bedient, der die Lektüre streckenweise sogar spannend macht. Das Buch sollte für jeden, der sich einen Überblick über die jüngere deutsche Geschichte verschaffen will, Pflichtlektüre sein. Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch-Verlag (dtv) unter der ISBN 3-423-34059-2 erschienen und kostet 12 Euro..
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