Andreas Thalmayr: "Lyrik nervt"

Erste Hilfe für gestresste Leser
 

 

Viele jungen Leute meinen, mit Lyrik nicht viel anfangen zu können, und die Erfahrungen, die sie in der Schule gemacht haben, waren oft auch nicht sehr erfreulich. Da war das Auswendiglernen, das fast alle Jugendlichen hassen. Hinzu kam das Interpretieren und Zerreden von Lyrik, das oft jegliche Poesie verloren gehen ließ. 

Andreas Thalmayr hat nun eine "Erste Hilfe für gestresste Leser" herausgegeben, in der er mit Lyrik sehr zart und sehr vorsichtig bekannt macht. Da geht es um den Rhythmus von Gedichten und Reimen, den er an vielen Beispielen vorführt. Fachwörter wie Jambus, Trochäus, Daktylus usw. werden zwar eingeführt, sind dem Autor aber nicht so wichtig wie das Verständnis darüber, das man durch Trommelübungen mit den Fingerspitzen gewinnen kann. 

An "Fisches Nachtgesang" von Christian Morgenstern darf dann geübt werden. Doch hier geht Thalmayr einen Schritt weiter und versucht, dieses Gedicht in Worte zu transformieren und Jugendliche zu animieren, das Gleiche zu tun. Überhaupt wird der Leser immer wieder aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Nachdem man also "Erste Hilfe" vom Autor erhalten hat, geht es im letzten Kapitel darum, "selber zu machen". Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht ein eigenes Gedicht zustande brächten.
Hier hat Thalmayr unkonventionelle Ideen wie eine "Ode an die Faulheit" oder "an die Zwiebel" oder sogar an die eigenen "Socken" zu schreiben.

...zwei Socken, mollig anzufühlen
wie Hosen.
In sie
stecke ich die Füße
wie 
in zwei
Futterale
gewebt
aus Fäden der
Dämmerung
und Fell der Schafe ....

Da bekommt auch so mancher Erwachsene Lust, ganz spontan in die Lyrik einzusteigen.
 
Das Buch ist im Hanser-Verlag unter der ISBN 3-446-20448-2 erschienen und kostet 12,90 €.