Franz Kabelka: "Heimkehr"

Mord im Vorarlberger Schriftstellermilieu
 

Kommissar Hagen muss von Linz zurück in seine Vorarlberger Heimat. Sein Vater dämmert unter einem Alzheimer-Leiden dahin, seine Mutter wird immer schwächer, und sein im orte wohnender, lediger Bruder kümmert sich um gar nichts. Teils unwillig, teils mit nostalgischen Gefühlen weckt er die Erinnerungen an seine Jugend, trifft er doch auf Schritt und Tritt alte Bekannte, die sich nur wenig geändert haben.

Noch hat er sich nicht eingelebt, eine Wohnung gefunden und die Dinge halbwegs in den griff bekommen, da wird er auch schon mit einem außergewöhnlich grässlichen Mord konfrontiert. Ein seit Jahren eigenbrötlerisch und zurückgezogen lebender Schriftsteller wird in seinem eigenen Haus enthauptet vorgefunden, Haupt und Waffe - eine alte Hellebarde - genau so drapiert, wie es in einem Manuskript eben dieses Autors beschrieben ist, das als Ausdruck in einem Sekretär gefunden wird. Seltsamerweise findet die Polizei dieses Manuskript nicht auf dem PC, den der Autor zu benutzen pflegte. Außerdem war dieser Tod in dem Manuskript einem anderen Schriftsteller zugedacht.

Schnell stellt sich heraus, dass der Schriftsteller ein rechtes Ekel gewesen sein muss. Seine beiden Töchter pflegten seit Jahren keinen Umgang mit ihm und enthielten ihm sogar die Enkel vor, die Schriftstellerkollegen sind im Laufe der Jahre zu Feinden mutiert und auch die Kritiker fanden vor den strengen Augen des Ermordeten keine Gnade. Es gab also ausreichend Motive, ihm das Lebenslicht auszublasen. Doch warum diese Inszenierung? Und woher hatte der Mörder das Manuskript, das noch nirgends veröffentlicht worden war.

Kommissar Hagen muss diesen Fragen in einer neuen Dienststelle mit Kollegen lösen, die in ihm den Quereinsteiger sehen, der lokale Karrieren bremst. Außerdem muss er sich mit dem sterbenden Vater, der schwächlichen Mutter und einem auf Konfrontationskurs gehenden Bruder herumschlagen, der ihm immer noch seine "Große-Bruder-Manier" aus der Jugend vorwirft und in ihm den Blockierer der eigenen Entwicklung sieht. Und als er endlich wieder den Kontakt zu einer alten Liebe aufnimmt und hier hoffnungsvolle Bande knüpft, schlägt der Mörder ein zweites Mal zu, wieder nach dem Drehbuch des ersten Opfers und wieder genauso minutiös. Doch plötzlich fügen sich die Steinchen der Ermittlungen zu einem überraschenden und höchst unerfreulichen Mosaik zusammen.....

Franz Kabelka hat mit diesem Roman einen temporeichen Krimi vorgelegt, der einerseits viel Lokalkolorit aus dem ländlichen Vorarlberg liefert und dabei dennoch den Ernst der Polizeiarbeit widerspiegelt. Der Ton bewegt sich erfreulicherweise deutlich abseits der betont "coolen" Abgebrühtheit oder der aufgesetzten Schnoddrigkeit anderer zeitgenössischer Krimi-Autoren, ohne deshalb langweilig oder gar gesellschaftskonform zu wirken. Das Buch liest sich zügig und liefert dank der gut aufgebauten Geschichte und des Verzichts auf jede unnötige Abschweifung oder "Verzierung" einen durchgehenden, in sich geschlossenen Spannungsbogen.

Das Buch ist im Haymon-Verlag unter der ISBN 3-85218-445-2 erschienen und umfasst 233 Seiten.