Nelly Arcan: "Hure"

Bedeutende deutsche Gedichte
 

 

"Hure" ist die Autobiografie einer Edelprostituierten, die in einem Dorf der kanadischen Provinz geboren und von Nonnen religiös erzogen wurde. Ihre Vorbilder waren also Frauen, die aus ihrem Leben ein Opfer machten. Doch eines Tages lässt sie all das hinter sich, zieht in die Großstadt und arbeitet in einer Bar als Kellnerin. Dann entschließt sie sich Prostituierte zu werden, um sich von allem loszusagen, was ihre bisherige Existenz ausmachte. Gleichzeitig studiert sie jedoch, denn sie will Schriftstellerin werden. Immer wieder stellt sie sich Männern zur Verfügung, opfert sich auf ihre Art wie die Schwestern ihrer Grundschule, die sich für ihren Orden opferten.

Nelly Arcan setzt sich in diesem Buch massiv mit ihrer verkniffenen Mutter auseinander, deren Mund zu einem Strich mutiert ist und die allem Lustvollen, besonders jedoch der Sexualität, nichts abgewinnen konnte. Sie rechnet auch mit ihrem Vater und gleich mit allen Vätern ab, die ihre eigenen Töchter begehren. Einem Vater, der sie klein halten wollte, um sie vor den vermeintlichen Gefahren des Legens zu behüten, der ihr nicht zugestand, eine erwachsene Frau zu werden. All das führt dazu, dass sie zwischen Magersucht und Hurerei hin- und herpendelt, ohne ihren eigenen Weg zu finden.

Nelly Arcans "Hure" ist ein provozierender Roman, der an die Grenzen des Erträglichen und streckenweise darüber hinaus geht. Die Autorin geht so entblößend ehrlich mit sich und und ihrer Umwelt ins Gericht, dass man am Ende der Lektüre großes Mitgefühl mit dieser leidenden und suchenden Frau empfindet, die nirgendwo ankommt.

"Hure" ist im Deutschen Taschenbuch-Verlag (dtv) unter der ISBN 3-423-13193-4 erschienen und kostet 9,- Euro.