Mario Vargas Llosa: "Das Paradies ist anderswo"

Zwei Biografien von Menschen mit der Kraft zur Utopie
 

 

"Das Paradies ist anderswo" - aber wo? Zwei Menschen, der Maler Paul Gauguin und die Frauenrechtlerin Flora Tristan, sind auf der Suche nach ihrem persönlichen Paradies. Getrieben von Sehnsüchten sind sie bereit, alles beständige aufzugeben, um sich ihren Traum zu erfüllen.

Paul Gauguin sucht seine Erfüllung im Paradies der Südsee, wo die Frauen ihre Sexualität frei ausleben können. Er verlässt dafür seine dänische Frau und seine fünf Kinder und befreit sich von allen Konventionen, in die er eingebunden war. Er will weg von den kalten Wintern und den frigiden Frauen. Er fühlt sich nicht länger als Europäer sondern wie "ein Tätowierter, ein Kannibale, einer dieser Neger von dort unten...". So äußert er sich seinen engsten Freunden gegenüber. Seine eigentliche Kreativität entfesselt sich erst so richtig in der schwülen Wärme Tahitis, in den sanften Armen sehr junger, bildhübscher Mädchen. Dort entstehen seine schönsten Gemälde, die viel von der Lebensfreunde und Wärme abstrahlen, die er dort erlebt.

Mit Anfang dreißig macht sich Flora Tristan auf, die Arbeiterklasse in Frankreich aufzurütteln und ihr zu einem besseren Leben zu verhelfen. Sie verlässt Paris und seine Salons mit den frisch gedruckten Exemplaren ihres Manifestes "L´Union Ouvrière" und beginnt einen einsamen Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, die Unterdrückung der Frauen und die generelle Ausbeutung der Arbeiterklasse. Sie will eine friedliche Revolution mit dem Ziel eines sozial ausgewogenes Systems herbeiführen. Es wird ein harter Kampf für Flora Tristan. Sie muss viele Rückschläge hinnehmen und ist mit etwa vierzig Jahren gesundheitlich ein Wrack. Doch sie nimmt keine Rücksicht auf sich selbst und ihr rebellischer Geist treibt sie weiter voran.

Mario Vargas Llosa hat zwei Biografien zu einem Roman verwoben. Ihn interessiert an beiden Gestalten die unbändige Kraft, die Menschen dazu antreibt, ihr persönliches Paradies zu finden oder ihre Utopie zu leben. Sowohl Paul Gauguin als auch Flora Tristan setzen ihre Gesundheit aufs Spiel und brechen alle sozialen Kontakte ab, um ihrer Idee vom wirklichen Leben Gestalt zu verleihen. Sie tun es mit einer Absolutheit, die den Leser gleichzeitig erschreckt und fasziniert.

Der Roman ist im Suhrkamp-Verlag unter der ISBN 3-518-41600-6 erschienen und kostet 24,90 Euro.