| Iain McCalman: "Der letzte Alchemist" |
| Das Leben des geheimnisvollen Graf Cagliostro | |
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Demnach ist der unter verschiedenen Pseudonymen aufgetretene "Graf Cagliostro" unter dem Namen Guiseppe Balsamo 1743 als Sohn armer sizilianischer Eltern in Palermo aufgewachsen und hat - aus der Not der damaligen Zeit - schon früh das Handwerk des Betruges und Hochstapelei gelernt. Schnell hat der hochintelligente junge Mann erkannt, dass man die Menschen gerade mit okkulten und mythisch anmutenden Fähigkeiten und Attributen beeindrucken und hinters Licht führen konnte. Der geradezu blinde "Wunschglauben" an die Möglichkeit, mit alchemistischen Methoden Gold herstellen zu können, brachte dieser Zunft rasch regen Zulauf. So nimmt es nicht wunder, dass sich Balsamo mit Hilfe verschiedener dubioser Gestalten und Hochstapler auf diesem Gebiet schnell fundierte Kenntnisse aneignete. Seine Eloquenz und sein ganz persönliches Charisma - er war vor allem bei den Frauen für seinen fast hypnotischen Blick bekannt - führten ihn schnell von Erfolg zu Erfolg. Nachgewiesene Erfolge in der Heilkunst, deren Ursprung auch der Autor nicht klären kann, gaben ihm die nötige Glaubwürdigkeit. Allerdings war es zu Zeiten des Aderlasses und anderer aus heutiger Sicht vollständig inkompetenter medizinischer Methoden eine nicht zu große Kunst, auf der Basis alter Heilmethoden und -mittel auch kurzfristig Erfolge bei der Behandlung aller möglichen Krankheiten zu erzielen. So begann er auch bei allen Stationen seiner Reisen quer durch Europa - Frankreich, Deutschland, England, Russland und natürlich Italien - seine Tätigkeit immer als Wunderheiler, und überwiegend mit großem Erfolg. Sein zweites Standbein, und auch sein "Sargnagel", war die Freimaurerei. Die führenden intellektuellen Zirkel in ganz Europa waren damals nicht zuletzt wegen der okkulten und geheimnisvollen Seite dieser Vereinigung von ihr fasziniert und geradezu elektrisiert. Cagliostro nutzte auch diesen gesellschaftlichen Trend, indem er sich als Großmeister ausgab, teils mit realem, teils mit hochstaplerischem Hintergrund, und verschaffte sich dadurch Zugang zu den höchsten Kreisen und deren Bewunderung. Doch die Furcht der katholischen Kirche und der ihr folgenden Staatsoberhäupter - so Katharina die Große und Louis XVI. - vor den liberalen und antiklerikalen Riten der Freimaurer verschafften ihm zunehmend mächtige und entschiedene Feinde. So nimmt es nicht wunder, dass er schließlich dem Kesseltreiben erlag und von der römischen Inquisition wegen Ketzerei zu lebenslanger Einzelhaft in einem menschenunwürdigen Kerker verurteilt wurde, wo er 1795 zweiundfünfzigjährig starb. McCalman beschreibt diesen Lebensweg frei von aller mythischen Ausschmückung, geht auch auf Cagliostros finanzielle und privaten Verhältnisse ein, schildert eingehend das enge und doch libertinäre Verhältnis zu seiner Frau, die er oft als erotische Waffe zur Gewinnung von Freunden und zur Abwehr von Gegnern einsetzte und die ihm daraus schließlich eine Strick drehte, und kristallisiert vor allem den Mensch aus dieser mehrhäutigen Zwiebel verschiedener Identitäten und Weltanschauungen heraus. Dabei muss natürlich aufgrund der doch fragwürdigen Faktenlage - viele Berichte sind gerade wegen des okkulten Hintergrunds wohl stark vom jeweiligen Autor gefärbt - vieles offen bleiben, aber der Leser erhält doch einen Eindruck von der Persönlichkeit dieses rastlosen, von Ehrgeiz und Machtrausch ebenso wie von Eitelkeit und Wohlleben besessenen Menschen, der eine ganze Epoche beeindruckte und verführte. Das Buch ist im Insel-Verlag unter der ISBN 3-458-17199-1 erschienen und umfasst 330 Seiten. |