Ursula Fricker: "Fliehende Wasser"

Protokoll eines verbogenen Lebens
   

In einem Straßengraben wird unter frischem Schnee ein Toter gefunden. Einige Meter weiter, halb in den Graben gerutscht, liegt sein Fahrrad. Die Ermittlungen ergeben, dass es sich nicht um einen Unfall handelt, dass der tote Simon Brock nicht betrunken war, dass er eine viel zu dünne Jacke trug und erfroren ist.

Wer war dieser Simon Brock? Er hat als Silberschmied gearbeitet, war verheiratet und hatte zwei Kinder. Die Autorin Ursula Fricker begibt sich auf die Suche nach den Spuren des Lebens dieses Mannes. Detailliert beschreibt sie das freudlose Leben einer Familie in einem Schweizer Dorf in der Enge der 50er Jahre. Brock ist besessen von einem Gesundheitswahn, unter dem die ganze Familie zu leiden hat. Er schließt keine Kompromisse, weder mit seiner Familie noch mit seinen Bekannten und schon gar nicht mit sich selbst. Die ältere Tochter Ida gilt in der Schule als Außenseiterin, denn neben der strikten Ernährung darf sie auch keine zeitgemäße Kleidung tragen. Sie versteht vieles an ihrem Vater nicht und ist innerlich zerrissen von dem steten Wechsel zwischen Zuneigung und Ablehnung, bis sie sich schließlich wünscht, dass Gott den Vater zu sich nähme.

Ursula Fricker hat mit diesem Roman ein fesselndes Buch von hoher Intensität geschrieben, das die Probleme in abgelegenen Schweizer (Berg-)Dörfern auf den Punkt bringt.

Das Buch ist im Pendo-Verlag unter der ISBN 3-85842-575-3 erschienen und umfasst 168 Seiten.