"Schöngeist" - Magazin für Kunst, Leben, Denken 

Neues Periodikum für eine intellektuelle Zielgruppe 
 

 

Der Begriff "Schöngeist" ist in der intellektuellen Landschaft nicht unbedingt positiv besetzt. Zu sehr dominiert bei diesem Menschentypus das Nicht-Pragmatische, Nicht-Politische. L´Art pour l´Art scheint bei ihm im Vordergrund zu stehen, und er macht sich nicht gern die Hände schmutzig. Seinen Höhepunkt feierte der Schöngeist als Zeitgeist kurz vor dem Ersten Weltkrieg, in dem er seinen anachronistischen Geist aushauchte. Nun ist er wieder auferstanden, allerdings nicht als flanierender Zeitgenosse mit weißen Handschuhen und elegantem Rock, sondern als Zeitschrift für den gehobenen Leser. Herausgeber ist der ApoDion-Verlag, Berlin, der seit Mitte 2004 die neue Zeitschrift vierteljährlich herausbringt.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der politischen Polarisierung endete in den Neunzigern auch die Epoche der (über-)engagierten politischen Zeitschriften, die "revolutio ad portas" gerufen hatten und alle sozialistischen Versuche zwischen Albanien und Kuba hatten hochleben lassen. Die nachwachsende Generation, der "Kriegserzählungen" ihrer 68er-Väter überdrüssig, suchte nach neuen Inhalten und wandte sich zum Teil der Esoterik zu. In diese Ideologie-Lücke stößt die neue Zeitschrift mit dem Versprechen, keine Ideologien und politischen Parolen zu verbreiten, sondern ästhetische und philosophische Themen in den Mittelpunkt zu rücken, ohne dabei altväterlich und professoral zu wirken.

Deshalb verzichtet "Schöngeist" - zumindest in der 2. Ausgabe - auch auf Artikel zu klassischer Kunst oder Literatur und wendet sich aktuellen Entwicklungen zu. Ein Heft steht immer im Zeichen eines Themas, zu dem alle Artikel ihre Perspektive beitragen. In der 2. Ausgabe vom Herbst 2004 ist es die Zeit und das Motto lautet "Das Danach ist zugleich ein Davor", frei nach dem alten Fußballer-Spruch "Nach dem Spiel ist immer vor dem Spiel". 

Eine inhaltliche Kritik der einzelnen Beiträge kann nicht Gegenstand dieser Vorstellung sein. Nur soviel: Die einzelnen Beiträge erheben durchgehende einen hohen ästhetischen Anspruch, ohne deswegen unverständlich zu wirken. Hier sind keine Philosophie-Professoren à la Heidegger am Werk, sondern Praktiker der Ästhetik, also Maler oder Musiker. Die Kombination von darstellender Kunst - als statischer - und der in der Zeit voranschreitenden Musik bildet einen wesentlichen Schwerpunkt dieser Ausgabe, daneben spielen "Simultanfotografie" - die Überlagerung zweier Fotos - und Kunst als Veränderung und in der Veränderung eine Rolle. Künstlerische Objekte, die bewusst keine Permanenz anstreben sondern sich mit ihrem Umfeld verändern bis hin zur Selbstauflösung. Dazu kommt reichlich Lyrik von bemerkenswerter Qualität, nie platt, bisweilen originell und mit gelungenem sprachlichen Duktus.

Nach dem Studium einer Ausgabe lässt sich noch kein abschließendes Urteil fällen, aber der Anfang lässt noch Einiges erwarten. Hoffen wir, dass Verlag und Autoren das Versprechen der ersten Ausgaben in den Folgenummern halten.

Die Zeitschrift "Schöngeist" erscheint vierteljährlich im ApoDion-Verlag und und kostet 8 Euro.