Aki Shimaki: "wasurenagusa"

Japanischer Roman über gesellschaftliche Umbrüche
 

 

"Sie ist zweifelhafter Herkunft", sagt Frau Takahashi und schickt deshalb das Kindermädchen Sono fort, das sich liebevoll um ihren kleinen Sohn Kenji gekümmert hat. Das Leben der Takahashis wird von den alten japanischen Traditionen bestimmt. So suchen auch die Eltern die passende Frau für ihren Sohn aus, und dieser schuldet den Eltern unbedingten Gehorsam. Als sich nach dreijähriger Ehe bei dem jungen Paar immer noch kein Nachwuchs eingestellt hat, drängt die Mutter des jungen Mannes auf die Scheidung, denn wer soll sonst die Familientradition aufrecht erhalten? Kenji willigt ein, obwohl er seine Frau liebt und sich gut mit ihr versteht. Wie damals das Kindermädchen wird jetzt die Ehefrau fortgeschickt. Auf emotionale Bindungen nimmt die Familie keine Rücksicht. 

Als Kenjis Ehefrau wieder heiratet und sich bald darauf Nachwuchs einstellt, wird ihm klar, dass er selbst unfruchtbar ist. Das ist ein schwerer Schock für Kenji, und er stürzt sich verzweifelt in die Arbeit und zieht nach Tokio. Dort lernt er schon bald die sensible Mariko mit ihrem unehelichen Sohn Yukio kennen und lieben. Dieses Mal steht Kenji zu seinen Gefühlen und heiratet die junge Frau gegen den Wunsch seiner Eltern. 

Die Autorin Aki Shimazaki beschreibt in diesem zarten Roman die Selbstfindung eines jungen Mannes, der sich, um glücklich zu werden, über die Konventionen und Traditionen der Gesellschaft hinwegsetzen muss. Für die europäischen Leser bietet dieses Buch einen aufschlussreichen Blick auf eine andere Kultur.

Das Buch ist im Kunstmann-Verlag unter der ISBN 3-88897-380-5 erschienen und kostet 14,90 Euro.

Barbara Raudszus