| Carl Djerassi: "Aufgedeckte Geheimnisse" |
| Eineher zwiespältiges Sachbuch in Literaturform | |
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Djerassi, von dem wir hier bereits den Doppelband "Unbefleckt/Kalkül" vorgestellt haben, hat sich vor allem in der humanen Reproduktionswissenschaft, zu Deutsch "Fortpflanzung", einen Namen gemacht und gilt als "Vater der Pille". Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass sich derselbe Wissenschaftszweig sowohl mit den Problemen der Unfruchtbarkeit bzw. Impotenz als auch der Empfängnisverhütung widmet. Im vorliegenden Buch beschäftigt er sich vor allem mit der künstlichen Befruchtung, die heute außerhalb des späteren Mutterleibs durch "Impfen" eines isolierten Eies mit einem einzelnen Spermatozoon erfolgt. Dieses Vorgehen ermöglicht auch eine Schwangerschaft mit Sperma, das zu eine "normalen" Befruchtung nicht mehr fähig ist. In praktischen Fällen bedeutet dies, dass ein landläufig als unfruchtbar geltender Mann durchaus Vater von Kindern werden kann. Um den Leser nicht mit langatmigen und komplizierten Ausführungen eines wissenschaftlichen Sachbuchs zu langweilen, verpackt Djerassi das Problem in einen Beziehungsroman. Eine verwitwete aber durchaus noch gebärfähige Frau lernt auf einem Kongress einen attraktiven israelischen Atomphysiker kennen und geht mit ihm eine Beziehung ein, obwohl er verheiratet ist und nicht bereit ist, seine Ehe aufzugeben. Als sie erfährt, dass er aufgrund verschiedener früher radioaktiver Versuche unfruchtbar ist, beschließt sie, sich auf "herkömmliche" Weise seines Spermas zu bemächtigen und sich damit befruchten zu lassen. Der Versuch gelingt, sie bringt einen gesunden Jungen zur Welt und informiert den Vater erst dann. Soweit die Handlung, die sowohl durch wissenschaftliche Erläuterungen als auch moralische Überlegungen über den "Samendiebstahl" angereichert wird. Dabei lässt sich der Autor auch noch ausführlich über die jüdische Religion aus und seine Protagonistin zum Judaismus konvertieren. Damit nicht genug, packt er auch noch die prekäre geopolitische Situation Israels, das Palästineser-Problem und das israelische Atom-Programm in die Geschichte. Als ob die künstliche Insemination als Thema nicht ausreichen würde. Der Roman krankt nicht nur an der Überlast der Themen, die natürlich alle nur peripher gestreift werden, sondern vor allem an seinem eigenen Anspruch. Zwar hüllt Djerassi einen literarischen Mantel um seine Themen, aber letztlich geht es ihm hauptsächlich um das wissenschaftliche Problem. Das lässt den Roman allerdings ziemlich konstruiert erscheinen und macht die Dialoge zu schwerfälligen Fachgesprächen, bei denen es nur vordergründig um persönliche Wünsche und Sehnsüchte geht. Durch eine Portion Sex, hier mit dem Alibi des wissenschaftlichen Themas versehen, versucht er etwas Pep in den Roman zu bringen, aber seine Erotik prickelt eher klinisch als sinnlich. Bei allem guten Willen erweist sich diese Art der Verbindung von Naturwissenschaft und Literatur als doch zu künstlich, und man möchte dem Autor zurufen: "Schuster, bleib bei Deinen Leisten". Der zweite Roman in diesem Doppelband, betitelt "NO" (die chemische Formel für Stickoxyd), geht es um die "Pille für Männer" zur Geburtenkontrolle. Außerdem führt Djerassi in dieser Geschichte noch einmal alle Personen seiner verschiedenen Bücher zu einem "Finale" zusammen. Das Buch ist im Haymon-Verlag unter der ISBN 3-85218-471-1 erschienen und kostet 19,90 Euro. Frank Raudszus |