| Peter Bender: "Weltmacht Amerika - Das Neue Rom" |
| Ein aktueller Vergleich zweier außergewöhnlicher Imperien | |
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Eine wesentliche Analogie sieht Bender in der Inselsituation beider Großmächte, die ihnen die Gelegenheit gab, sich über einen längeren Zeitraum relativ ungestört zu entwickeln. Was im 19. und 20. Jahrhundert Atlantik und Pazifik für die Amerikaner, waren bereits in der Antike Adria und Thyrrhenisches Meer für die Römer. In beiden Epochen reichte die Größe der angrenzenden Meere aus, um fremde Völker weitgehend von dem "´Homeland" fern zu halten. In weiterer Analogie schützten das kalte und unwirtliche Kanada die Amerikaner und die Alpen die italische Bevölkerung. Beide Mächte entwickelten sich laut Bender sozusagen unfreiwillig zu Imperien. Die Römer bauten aus Angst vor Eindringlingen immer größere Schutzkreise um sich und die bereits etablierten Schutzkreise; die Amerikaner sahen mehr die ökonomische Bedrohung durch große, geschützte Märkte, die ihre überschüssige Produktion nicht mehr abnehmen wollten, und dehnten daher ihren Einflussbereich sukzessive aus. Beiden Nationen war im Prinzip eine gehörige Portion Isolationismus eigen, und beide mussten erst lernen, mit der Macht und ihrer eigenen Position umzugehen. Im Folgenden schildert Bender die einzelnen Kriege der beiden Mächte - bei den Römern vor allem die drei Punischen Kriege und bei den Amerikanern die beiden Weltkriege und Vietnam - sowie deren Ähnlichkeiten. So "schlidderte" Rom ebenso in die punischen Kriege wie die USA in die beiden Weltkriege, jeweils gedrängt und geschoben durch Verbündete, und in beiden Fällen brachte erst eine externe Provokation - Pearl Harbour - das Fass zum Überlaufen. Das von den Römern gefürchtete Germanien - Varus, Varus redde legiones! - findet sich bei den Amerikanern in Vietnam und dem Irak. Auch die geradezu neurotischen Reaktionen auf externe Provokationen - in Amerikas Fall die "Angst" vor Saddam Hussein - findet sich bei beiden Mächten wieder. Römer wie Amerikaner sahen und sehen in jedem "Unbotmäßigen" am Rande ihres Einflussbereiches sofort die existenzielle Gefahr, die es zu beseitigen gilt. Dabei entsprechen die Mittel durchaus dem Grad der Hysterie, die sich in solchen Fällen aufbaut. Doch auch wesentliche Unterschiede erkennt Bender bei beiden Mächten. So folgten die Römer immer einem politischen Pragmatismus und waren weit davon entfernt, ihren Verbündeten und den unterworfenen Ländern ihre Religion geschweige denn eine Ideologie aufzuzwingen. Ihnen reichte es, wenn diese sich an dem erfolgreichen römischen Modell ein Beispiel nahmen. Die Amerikaner dagegen waren von Anfang an von einem geradezu missionarischen Eifer besessen, der Welt ihre Sicht von Freiheit und Demokratie aufzuzwingen, und können noch heute nicht verstehen, dass Länder wie der Irak damit durchaus ihre Schwierigkeiten haben. Wir wollen jedoch an dieser Stelle nicht näher auf Benders inhaltliche Ausführungen eingehen. Das sollte jeder interessierte Leser selbst tun. Die Lektüre dieses verständlich und erfreulicherweise weitest gehend tendenzfrei geschriebenen Buches lohnt sich auf jeden Fall, entdeckt man doch erstaunlich viele verblüffende Parallelen zwischen den beiden bedeutendsten Großmächten der Weltgeschichte. Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch-Verlag (dtv) unter der ISBN 3-423-34204-8x erschienen und kostet 10 €. Frank Raudszus |