| Katrin Mackowski: "Die falsche Frau" |
| Ein Krimi um Legionärscharme und Frauenpower | |
|
Mit Francois Satek sind wir auch schon bei dem "Anachronismus" des Personals. Angesichts der Tatsache, dass die "Hochzeit" der Fremdenlegion mit den Kämpfen um Algerien in den sechziger Jahren endete und die Legion seitdem eher unspektakuläre Aufgaben wie Objektbewachung erfüllt, hat sich auch ihr legendärer Ruf in der Öffentlichkeit verloren. Insofern bedeutet die Wahl dieses Berufsbildes für zentrale Figuren des Romans einen gewissen Anachronismus. Dazu kommt jedoch, dass dieses Legionärsbild nichts mit dem Thema des Romans zu tun hat. Anhand der beiden ehemaligen Legionäre - Satek und sein Freund Katzan - baut die Autorin das Bild einer so verschworenen wie brüchigen Gemeinschaft auf, die schließlich - wie vorauszusehen - unter dramatischen Umständen zerbricht. Doch in die eigentliche Handlung wird Satek mehr oder minder durch Zufall hineingezogen. Eines Tages wird eine Prostituierte erdrosselt aufgefunden und Satek bald als ihr letzter öffentlicher Begleiter identifiziert. Natürlich ahnt der Leser seine Unschuld, und auch Sarah Rosen will nicht an seine Schuld glauben, zumal sie Sateks hartem Legionärscharme umgehend erliegt und dies nur mühsam zu kaschieren vermag. Dieser fühlt sich ebenso eindeutig von der attraktiven Rosen angezogen, und so beginnt auf diesem Nebenschauplatz ein Katz-und-Maus-Spiel eigener Art. Währenddessen laufen die Recherchen zum Mordfall in der üblichen Krimimanier ab: der etwas biedere Kommissar und sein Assistent konzentrieren sich auf den Legionär, während Sarah Rosen anderen Spuren nachgeht und schließlich auch maßgeblich zur Aufdeckung der wahren Hintergründe beiträgt. Währenddessen ficht Satek seinen eigenen Legionärszweikampf aus. Das Ganze weiß die Autorin durchaus spannend und mit einigem Tempo zu erzählen, und auch die Personen gelingen ihr recht gut. Auch ein Schuss Humor ist ihr nicht abzusprechen. Die unterschiedlichen und nur lose miteinander verknüpften Handlungsstränge und Personengruppen sowie eine unklare Logik bei den Abläufen - welche Mafiagruppe ist wann für was verantwortlich? - lassen den Roman jedoch stellenweise etwas konfus erscheinen. Zunehmend gewinnt man den Eindruck, dass es der Autorin mehr um die Charakterstudie der Sarah Rosen als um die stringente Aufdeckung skandalöser oder gar verbrecherischer Umtriebe geht. Die Mafiageschichten stellen sich im Laufe der Handlung mehr oder minder als Dekoration für eine unappetitliche Familiengeschichte heraus, und am Ende ergibt sich, dass der Mörder - aus seiner Sicht dummerweise - die falsche Frau ermordet hatte. Daher der Titel. Wer nicht allzu großen Wert auf eine in sich geschlossene und durchgehend konsistente Geschichte mit einer zentralen Aussage legt sondern gute Unterhaltung bevorzugt, liegt mit diesem Buch sicher nicht falsch. Außerdem erhält man einige Informationen über Psychologie und Fall-Analyse sowie über das spätklassische Lied. Das Buch ist im Verlag Antje Kunstmann unter der ISBN 3-88897-395-31 erschienen und kostet 19,90 €. Frank Raudszus |