| Bernhard Schlink: "Vergewisserungen" |
| Über Recht, Politik, Schreiben und Glauben | |
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In dem Aufsatz über die Gerechtigkeit befasst sich der Autor mit der heutigen Tendenz, vor allem in Deutschland, Welt und Alltag als Kontext von Recht und Gerechtigkeit und dabei die Realität als zweitrangig zu begreifen. Aus diesem Denken entstehen zwangsläufig permanent steigende Ansprüche an die anonyme Gesellschaft, die diese schließlich nicht mehr erfüllen kann. Schlink plädiert für eine realitätsnähere Auffassung der Welt, nicht zuletzt, um das schließlich unvermeidbare Erwachen nach jahrelangem Einlullen durch eine - dem Wähler - willfährige Politik erträglich zu gestalten. In dem Aufsatz über Multikulturalität unterscheidet er streng zwischen einer säkularisierten Gesellschaft, die alle Glaubens- und Kulturangelegenheit an ihrem Bestand in einer rational organisierten (westlichen) Welt misst, und einer glaubensorientierten Welt, die religiöse und traditionelle Regeln über alle rationalen Erkenntnisse des menschlichen Zusammenlebens stellt. Die räumliche und zeitliche Koexistenz beider Modelle sieht er nur als möglich, falls sich eine Welt der anderen unterordnet. Die von einigen politischen Richtungen beschworene Multikulturalität hält er für zumindest problematisch wenn nicht sogar für illusorisch und sieht Parallelwelten mit hohem Aggressionspotential entstehen. Ohne Namensnennung kann man diesen Aufsatz, der frei von jeglicher Polemik ist, als den Grünen gewidmet sehen. Diese beiden Aufsätze sowie die anlässlich einer Preisverleihung an den Autor Imre Kertèsz gehaltene Laudatio "Die Pflicht zum Glück" geben einen guten Überblick über die ausgewogene, intelligente und weitsichtige Argumentation des Autors. Der Sammelband "Vergewisserungen" sollte jeden einigermaßen anspruchsvollen Bücherschrank abrunden. Das Buch ist im Diogenes-Verlag unter der ISBN 3-257-86127-3 erschienen und kostet 22,90 €. Frank Raudszus |