| Valerie Wilson Wesley: "Vier Frauen" |
| "Sex in the City" - einmal anders | |
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Valerie Wilson Wesley bildet da keine Ausnahme. Auch ihr Roman über vier Frauen und einen Mann strotzt geradezu vor "prächtigen" Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, sich mit eher lese-attraktiven Problemen herumschlagen und ansonsten permanent auf der Suche nach dem richtigen oder nächsten Partner sind. Dabei steht natürlich der Sex im Vordergrund, denn schließlich wollen die Bücher ja verkauft werden. Randall Hollis, die Hauptperson dieses Romans und Galeriebesitzer, sieht - natürlich - blendend aus und steigt mit jeder Frau bereits am ersten Abend ins Bett, das diese ihm auch bereitwillig aufschlagen. Sein Aussehen und Charme lassen alle schwach werden, und so muss er bald mit mehreren simultanen Verhältnissen jonglieren: seiner alten Liebe Medora, der bereits etwas reiferen Kunstsammlerin Ana und der jungen Studentin Taylor. Diese drei haben natürlich ihrerseits Verehrer und Verflossene, so dass sich ein breites Spektrum an Verwicklungen, Eifersucht und Begierden ergibt. Außerdem verwickelt sich Randall mit seinen multiplen Beziehungen sehr bald in ernsthafte Probleme, so dass er sich endlich einmal Gedanken über sich selbst und seine Zukunft machen muss. Man sieht schon, worauf das Ganze hinausläuft: eine heiter-(be)sinnliche Beziehungsgeschichte, die sorgsam echten Tiefgang vermeidet und vermeintliche Gefühlstiefe sehr dicht unter einer gefälligen Oberfläche ansiedelt. Man spürt dabei förmlich den Wunsch der Autorin, Identifikationsfiguren für jede Art Leser zu schaffen: den Mann als "Hahn im Korb", die reifere Frau Ende vierzig, die junge Aufmüpfige und die Kreative. Psychologie beschränkt sich dabei auf das leicht Eingängige, schnell Erfassbare, und existenzielle (Selbst-)Zweifel gehören nicht zum Themenkreis dieses Romans. Alles lässt sich mit einem schönen Abendessen mit Freunden wieder in den Griff bekommen. Das Ganze ist flott geschrieben, mit einer Portion Humor gewürzt und der für eine gute Auflage erforderlichen - und für den US-Markt gereinigten - Erotik. Die einzig wirklich originelle Idee dieses Buches liegt in der Tatsache, dass alle handelnden Personen Farbige sind - wie die Autorin. Das trägt natürlich emanzipatorische Züge und liegt voll im Trend der "Konter-Diskrimierung", der im US-amerikanischen Kulturbereich derzeit zu beobachten ist. Dieser Trend lässt das fiktive Geschehen sich ausschließlich im farbigen Kontext abspielen, um damit die eigene Identität zu stärken. Das führt jedoch zu inneren Widersprüchen, denen auch der vorliegende Roman nicht entgeht. Die ausschließliche Konzentration auf ein rein farbiges Milieu muss die subtileren Wege der in den USA immer noch existenten Rassendiskriminierung zwangsläufig aussparen - die Autorin behilft sich mit einer schikanösen Fahrzeugkontrolle durch einen weißen Polizisten - und verzichtet außerdem auf eine sichtbare Abgrenzung zum weißen Milieu. Das schlägt umso stärker zu Buche, als die gesamte Lebensumwelt und Befindlichkeiten exakt ihren Pendants aus der "weißen" Literatur gleichen. Die Autorin muss bei jeder Person ausdrücklich - wenn auch beiläufig - auf die Hautfarbe verweisen, um den Kontext festzulegen. Dies könnte eine subtile Forderung nach Marginalisierung der Hautfarbe sein, ist jedoch faktisch nichts anderes als eine Kopie des weißen Lebensstils, stellt also in gewisser Weise wiederum eine Anbiederung dar. Das Buch ist im Diogenes-Verlag unter der ISBN 3-257-23522-4 erschienen und kostet 10,90 €. Frank Raudszus |