Loriots "Kleiner Opernführer"

Nur für Opernfreunde mit Humor geeignet!
 

Eigentlich bürgt bereits der Name des Autors für gute Unterhaltung und intelligenten Witz. Ernsthafte Opern-"Puristen", z. B. überzeugte Wagnerianer oder fanatische Mozart-Fans, sollten dieses Buch lieber nicht in die Hand nehmen, weil der Autor ihre Lieblinge gerne etwas "auf die Schippe nimmt". Wenn die kurze Beschreibung von "Cosi fan tutte"  mit den Worten beginnt: "Die Oper [...] des in Österreich sehr bekannten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart...", so wird das echten Mozart-Fetischisten vielleicht sauer aufstoßen. Schlimmer noch für die Hüter deutschen Geistes kommt es allerdings bei Gounods "Faust". Da schließt doch der Autor tatsächlich mit den Worten: "Von Goethe, einem der wenigen bekannten Autoren, die bisher keinen Literaturpreis erhalten haben, gibt es die ganze Affaire (wie despektierlich, die Red.!) in einer weitschweifigen, seltener gespielten Bearbeitung ohne Musik." Und auf diese Weise geht der uns nicht unbekannte Autor, der sich wohlweislich hinter einem Pseudonym versteckt, mit den Opern und Libretti von Bizet bis Voltaire um! Außerdem hat er noch einige waghalsige Sketches angefügt, die das deutsche Opernwesen in respektloser Weise aufs Korn nehmen. Also aufgepasst, Freunde der Musik und Literatur. Hier droht wahrer Humor, der vor keiner Geistesgröße und vor keinem hehren Werk Halt macht. Nur gereifte Persönlichkeiten ohne dekadenten Hang zu dem, was weniger Ernsthafte "Humor" nennen, sollten sich der Lektüre dieses subversiven Bändchens aussetzen.

Das Buch ist im Diogenes-Verlag unter der ISBN 3-257-06482-9 erschienen und kostet 12,90 €.

Frank Raudszus