Jung Chang/Jon Halliday: "MAO"

Entlarvung eines Ungeheuers
 

Jung Chan, die Autorin diese Mao-Biografie, ist in China unter Mao Tse-Tung aufgewachsen und war Mitglied der Roten Garden. Während der Kulturrevolution hatte sie verschiedene Aufgaben zu erfüllen: so arbeitete sie als Barfußärztin, Stahlkocherin und Elektrikerin. Ihr Eltern waren hohe Kader unter Mao. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem kritischen Historiker und Publizisten Jon Halliday, räumt sie in diesem umfangreichen Werk mit dem Mythos Mao auf. Zwölf Jahre lang hat sie recherchiert, um alle Facetten dieses chinesischen Politikers herauszuarbeiten. Stattliche 160 Seiten Anhang belegen die Fleißarbeit der beiden Autoren. Herausgekommen ist ein äußerst kritischer Bericht, der nichts schönt oder verklärt und Mao Tse-Tung als grausam zynischen Machtmenschen darstellt. Auf sein Konto gehen 70 Millionen Tote, Menschen, die geopfert, gequält, vernichtet wurden. Kulturen sowie jahrtausende alte chinesische Traditionen wurden einfach ausradiert, um Mao die Macht zu sichern.

Mao wurde 1893 mitten in China in der Provinz Hunan als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Seine Vorfahren lebten seit 500 Jahren in diesem Tal. Das Dorf war von der Außenwelt abgeschirmt, es gab weder Straßen noch schiffbare Flüsse. Nachrichten wie die vom Tod des chinesischen Kaisers brauchten zwei Jahre, bis sie im Dorf ankamen. Maos Mutter war sanft und tolerant und liebte ihren Sohn mit großer Intensität. Wie die Mutter war auch Mao Buddhist, wandte sich jedoch bereits als Jugendlicher von Buddha ab. Im Alter von acht Jahren wurde Mao von einem Privatlehrer unterrichtet. Er lernte schnell lesen und konnte gut auswendig lernen. Mit sechzehn Jahren legte er sich mit seinem Lehrer an und lief von der Schule weg. Er flog wegen Ungehorsams und Eigensinn von mindestens drei weiteren Schulen. Während die Mutter alles entschuldigte, war Maos Vater gar nicht einverstanden mit den Allüren und dem Müßiggang seines Sohnes. Mao hasste ihn dafür.

Nach schwierigen Jahren an verschiedenen Schulen und weiteren Problemjahren an Universitäten bestand Mao das Examen als Grundschullehrer. Er war kein Sprachtalent und sprach sein ganzes Leben nur seinen lokalen Dialekt. Nicht einmal die Allgemeinsprache "putonghua", die sein eigenes Regime zur Amtssprache erklärte, beherrschte er. Die Idee zur Gründung einer kommunistischen Partei ging nicht von den Chinesen sondern von Moskau aus. Mit etwa 27 Jahren wurde Mao Kommunist und begann seine politische Karriere. Er war kein gläubiger Anhänger, sondern benutzte den Kommunismus als Vehikel, um an die Macht zu kommen. Schon sehr bald stieß er auch hier auf Schwierigkeiten, weil er selbstherrlich eigene Wege beschreiten wollte. Er verließ die KPC und schloss sich den Nationalisten an - den größten Widersachern der Kommunisten.

Im Alter von 33 Jahren beschloss Mao, die KPC und die Sowjets für seine eigenen Ziele zu nutzen, und damit begann sein langer und grausamer Aufstieg in der Partei. Er dauerte noch viele Jahre, bis Mao als Fünfzigjähriger oberster Parteiführer wurde. Sein Terrorregime währte 27 Jahre, und er starb am 9. September 1976. Das jetzige kommunistische Regime ist weiterhin fest entschlossen, den Mythos Mao aufrecht zu erhalten. Maos Portrait und sein Mausoleum beherrschen noch heute den Tiananmen-Platz im Herzen der Hauptstadt Peking. 

Das 810 Seiten umfassende Buch ist im Blessing-Verlag unter der ISBN 3-89667-200-2 erschienen und kostet 34 €.

Barbara Raudszus