Charles Simmons: "Das Venus-Spiel"

Eine etwas vordergründige Satire auf Sex, Lügen und die Gesellschaft
 

Satiren auf die sexuellen Sitten und Unsitten der Gesellschaft bewegen sich meist auf einem sehr schmalen Grat und laufen immer Gefahr, in platten Voyeurismus abzustürzen. Im vorliegenden Roman hat sich der New Yorker Autor offensichtlich das Viagra-Fieber und dessen gesellschaftlichen Auswüchse als Vorbild für eine Satire genommen und hat, um es gleich zu sagen, der oben beschriebenen Gefahr nicht ausweichen können.

Der Protagonist, ein gut aussehender und erfolgreicher Werbefachmann, wird von seinem Arzt als Testperson für eine neue "Sex-Pille" angeworben, deren Wirkung es am "lebenden Objekt" zu erforschen gilt. Die Wirkung setzt fast unmittelbar nach der Einnahme ein, indem sich sein edelster Körperteil bei einem abendlichen Dinner verselbständigt, ungeahnte Ausmaße annimmt und sein Ziel unter dem Tisch erfolgreich selbst anstrebt. Natürlich - wie immer in solchen Geschichten - zeigt sich die junge und attraktive Dame entzückt, ohne sich etwas anmerken zu lassen, und verfällt unserem Protagonisten "stante pede". Die nächsten fünfzig Seiten widmen sich mehr oder minder der Beschreibung anatomischer Details bei der oftmals wiederholten Zusammenkunft. Um die Geschichte für das US-Publikum annehmbar zu machen, wickelt der Autor die vordergründige Geschichte in politisch korrekte Emotionen ein ("kein Sex ohne Liebe") und lässt die restlichen Damen der Gesellschaft ein wenig satirisch defilieren, ohne dass die Gesellschaftskritik überzogen wird. Es braucht sich jedenfalls niemand getroffen zu fühlen. Ein wenig lesbische Liebe und ein ungewöhnlicher "flotter Dreier" sollen die Geschichte weiter aufpeppen, verstärken jedoch eher den Eindruck eines an gängigen Klischees orientierten Soft-Pornos. In einer gewaltigen Volte transportiert er die Geschichte in eine geradezu "transzendentale" Erotik, die anfangs eines gewissen Witzes nicht entbehrt, dann aber über Gebühr ausgeschlachtet wird. Später wird die zaghafte Satire wieder einer höheren Emotion mit fast mütterlichen Zügen geopfert, etwas höhere Politik mit zarten Andeutungen von Korruption und Durchstechereien kommt auch noch hinzu - aber nur nicht zu bissig-satirisch - und zum Schluss endet alles mit einem richtig bürgerlichen Happy End. Wer das Buch bis hier gelesen hat, legt es mit einem leisen Gähnen weg und entschlummert sanft.

Das 183 Seiten umfassende Buch ist im Deutschen Taschenbuchverlag (dtv) unter der ISBN 3-423-134142-31 erschienen und kostet 9 €.

Frank Raudszus